Sturmfreie Bude Gründerin Caro Brunke im nushu talk

Caro Brunke gründete 2011 während ihrer Schwangerschaft mit zwei Mitstreitern in Hamburg die Mietlocation Sturmfreie Bude. Ihr Konzept der Mietlocation geht auf, mittlerweile gibt es die Sturmfreie Bude zwei Mal in Hamburg, sowie als Partnerlocations in Düsseldorf, München, Frankfurt und Stuttgart. Wir haben mit ihr über ihre Gründungszeit, die Herausforderungen der ersten Monate und ihre Learnings gesprochen.

Du hast gemeinsam mit zwei Mitgründern die „Sturmfreie Bude" gegründet, eine Mietlocation für beispielsweise Brainstorm-Sessions oder Präsentationen. Wie habt ihr gemerkt, dass die Idee Potenzial hat?

_Wie so oft haben wir selbst den Bedarf gehabt. Auf der Suche nach kreativen Räumen für Workshops sind wir am Ende des Tages immer wieder in den Meetingräumen von Hotels gelandet. Zwar waren es oft tolle Hotels, aber das Gefühl „exklusiv und für sich zu sein“ hat immer gefehlt. Gerade wenn man kreativ arbeitet, hat es sich für mich immer richtig angefühlt, „rauszukommen“ und auch durch die Umgebung inspiriert zu werden, um dadurch vielleicht noch kreativer zu sein. Für uns war es daher wichtig, inspirierende Locations zu finden und diese kreativ zu gestalten. „Sturmfreie Bude“ ist Programm, wir möchten, unseren Kunden, den „Raum“ geben, sich auszutoben, Ideen zu entwickeln, out-of-the-box zu denken. Dabei kümmern wir uns im Hintergrund um einen reibungslosen Ablauf: Hochwertige Technik, Material, gesundes Catering aus der Region und vor allem einen herzlichen Service.

 

Wie hast du die Gründungszeit erlebt? Warst du verunsichert?

_Das war schon spannend. Und zunächst auch mit vielen Unsicherheiten behaftet. Da es unser Konzept zu der Zeit auch noch nicht gab, hatten wir nur unser Gefühl und unsere innere Überzeugung, dass es für die Sturmfreie Bude einen Markt gibt. Nach Rücksprache mit Freunden und Kollegen, war ich auch nicht wirklich schlauer. Einige fanden die Idee super, andere waren da doch sehr skeptisch. Da ich selbst so überzeugt war, bin ich irgendwann ins kalte Wasser gesprungen. Nach der Kündigung meiner Festanstellung habe ich den Gründungszuschuss beantragt und ein Jahr gesucht und weiter an dem Konzept gearbeitet. Mein großer Vorteil war, dass ich nicht allein gegründet habe, sondern mit meinen beiden Mitgesellschaftern tollen Support auf allen Ebenen hatte. 

 

Wenn du auf die Anfangsmonate der Sturmfreien Bude zurückblickst, was waren die größten Herausforderungen?

_Die größte Herausforderung war definitiv, dass ich nach meiner Kündigung und in der Gründungsphase erfahren habe, dass ich schwanger bin. Das Timing war also etwas interessant und so nicht geplant. Das erste Jahr war daher sehr emotional und oft holperig. Das Feedback auf die Bude war zum Glück von Anfang an sehr positiv und nach einem Jahr konnten wir sagen, es funktioniert.

 

Trotz des sehr positiven Feedbacks, habt ihr auch Fehler gemacht?

_Gerade im ersten Jahr habe ich sehr viel gelernt. Wir haben unseren Business Case ganz realistisch gerechnet, aber ein Fehler bei der Liquidität gemacht und einfach nicht mit den sehr langen Zahlungszielen gerechnet, die große Unternehmen haben. Da ich aber bei allen Dienstleistern wie Caterer, Bäcker, Reinigung und Personal in Vorleistung gehen muss, wurde es schonmal eng und wir mussten nachschießen. Nach dem ersten Jahr war die Planung dann deutlich einfacher und wir konnten besser kalkulieren und planen.

 

Wie wichtig findest du es, auf dem Weg in die Selbständigkeit Mentor*innen zu haben?

_Wichtig! Ich habe zum Glück, ganz tolle Menschen um mich, die mich inspirieren und die mir helfen, mich zu entwickeln. Ohne meine beiden Gesellschafterkollegen hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt, von beiden konnte ich viel lernen. Manchmal sind es aber auch unsere Kunden und Speaker, von denen ich selbst Fan bin. Oder unser Caterer, der mich sehr für das Thema Nachhaltigkeit und regionale Produkte sensibilisiert hat. Im Freundeskreis sind ebenfalls viele Menschen, die mich beeinflussen und mich inspirieren.

 

Klar, dass wir bei nushu auf ein Netzwerk schwören, aber hast du es auch so empfunden? Wie wichtig war dein Netzwerk beim Gründungsprozess?

_Mir hat es sehr geholfen, mich mit Freunden auszutauschen, die dann wiederum in ihrem Freundeskreis, Werbung für uns gemacht haben. Gerade die persönlichen Kontakte in Hamburger Unternehmen und Agenturen waren wichtig. Budget für Marketing hatten wir nicht, „mouth-to-mouth“ war und ist für uns das beste Marketing. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, erzählen sie dies auch gern abteilungsübergreifend und im privaten Umfeld, womit wir neue Kunden gewinnen. 

 

Welches Mindset und welche Fähigkeiten braucht man deiner Meinung nach, um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen?  

_Vision, Herzblut und Realitätsbezug. Wir haben uns nichts schön gerechnet und haben uns machbare Ziele gesetzt. Man muss sich und seinem Unternehmen Zeit geben, aber trotzdem unglaublich viel Gas geben. Für mich sind die Buden viel mehr als ein Job. Ich freue mich jeden Tag, zu arbeiten, Dinge zu verbessern und zu optimieren. Es geht immer noch irgendwo was. Ich glaube, wenn man mit viel Leidenschaft für etwas brennt, realistische Ziele hat, dann wird das auch gut und erfolgreich.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus – hilft dir eine Routine oder brauchst du das kreative Chaos?

_Mittlerweile bin ich operativ nicht mehr so viel vor Ort wie früher, so dass ich meist am Laptop arbeite und telefoniere, Anfragen entgegennehme, Veranstaltungen bespreche und die Eventtage organisiere. Zwei- dreimal die Woche bin ich in den Buden, um Besichtigungen vorzunehmen oder spezielle Events mit vorzubereiten. Ich habe mittlerweile zwei feste Mitarbeiterinnen. Anja Schneider unterstützt mich seit dem Sommer als Budenmanagerin und wir teilen uns die Aufgaben. Sina Richters ist vor allem im Service aktiv und bereitet die Events vor. Ich habe mittlerweile einen Pool aus 15 Mitarbeitern, die die Events betreuen und die die Kunden umsorgen.

 

24/7 oder digital detox, wie hältst du es mit den Arbeitsstunden? 

_Mittlerweile habe ich eine gute Balance gefunden. Mit Gründung der zweiten Bude haben wir eine weitere Person einstellen können. Das war herrlich, da ich nun auch mal langfristig einen Urlaub planen oder im Krankheitsfall zu Hause bleiben konnte. Aber auch die ersten Jahre waren vollkommen ok. Für mich gehört es bei einer Gründung dazu, Opfer zu bringen und erstmal zu verzichten. Wir haben nach einem Jahr feststellen können, dass sich alles richtig entwickelt. Das motiviert und beflügelt einen. Wenn ich jetzt in den Urlaub fahre, habe ich kein schlechtes Gewissen, abzuschalten. Die Buden sind bei meiner Kollegin Anja in den besten Händen und ich weiß, dass es funktioniert.

 

Du bist eine von ja doch verhältnismäßig wenigen female founders in Deutschland. Warum glaubst du, gibt es so wenige Frauen, die gründen? 

_Wahrscheinlich sind wir manchmal nicht mutig genug. Ich hätte mich wahrscheinlich auch nicht getraut, wenn ich alleine gewesen wäre. Mittlerweile traue ich mir viel mehr zu und wüsste, ich könnte es auch alleine schaffen. Es gibt immer viele Gründe, warum etwas nicht funktioniert. „Einfach machen“ finde ich super, aber wir wägen sehr viel ab. Dazu kommt, dass wir Frauen keine kleine Rolle bei dem Thema Kinder spielen. Gerade mit Ende 20/Anfang 30 ist es ein super Alter, um zu gründen, aber eben auch um Kinder zu bekommen. Ich habe erst festgestellt, dass ich schwanger bin, als ich bereits in der Gründung war. Es gab kein Weg zurück, nur nach vorn. Wäre ich noch angestellt gewesen, hätte ich das Thema Gründung auf unbestimmte Zeit verschoben, so ging es nicht anders. Rückwirkend bin ich unglaublich froh, dass ich gegründet habe; aber eine Empfehlung aussprechen, zweigleisig zu fahren, kann ich auch nicht. Mein Umfeld hat mir sehr geholfen und mich unterstützt. Ich hatte zum Glück nie das Gefühl, dass ich schief angeguckt werde, dass mein Kind im ersten Jahr keine Vollzeit-Mami hatte, sondern immer mit dabei war. Ich denke, dass es schon hilft, dass wir tolerant miteinander umgehen und uns Mut zusprechen und weniger in Frage stellen.

 

Zum Abschluss noch ein Sprung zum Privaten: In was bist du Expertin außerhalb deines Startups?

_Ich liebe Reitsport und vor allem die Vielseitigkeit. In jüngeren Jahren war ich sehr aktiv und habe an internationalen Championaten teilgenommen. Mein größter Erfolg war eine Einzelbronze und Mannschaftsgold Medaille bei Europameisterschaften. Auch heute bin ich sehr interessiert und fahre gern auf Turniere, um zu zuzuschauen. Bis zu meinem 21. Lebensjahr war ich täglich im Stall und habe trainiert. Diese Zeit hat mich geprägt, meine engsten Freundschaften sind hier entstanden und Eigenschaften wie Disziplin, Ehrgeiz und Spass an der Sache waren damals wie heute wichtig für meinen Werdegang.

_Heute spiele ich leidenschaftlich gern Theater. Ich habe keine Ausbildung, aber bin seit ein paar Jahren Teil einer kreativen Truppe mit einer tollen Lehrerin, die viel Theater spielt. Jedes Jahr üben wir ein Stück ein, dass wir auf die Bühne bringen. Das macht mir unglaublich viel Spaß und ich kann die Sau raus lassen.

 

Lieben Dank, Caro!

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