Female Founders

Jenny Podewils / Leapsome

Jenny ist Gründerin von Leapsome, einem Unternehmen, das Tech und HR zusammenbringt. Ihre persönliche Mission: Eine Feedback- und Lernkultur in Unternehmen etablieren. Wie wichtig das ist, weiß sie aufgrund eigener Erfahrungen aus vorherigen Firmen. Einerseits hat sie bei einem schnell wachsenden Technologie-Startup gelernt, wie wichtig es ist Personalentwicklung und Organisationsdesign sauber zu skalieren. Andererseits hat sie erfahren, wie schwer ein traditionelles Unternehmen sich tut, seine etablierte Kultur weiterzuentwickeln und eine Lernkultur zu etablieren. Im Silicon Valley an der Singularity University hat sie erforscht, welche innovativen und technologiegestützten Ansätze Firmen in der Personalarbeit anwenden. Ihren Co-Founder Kajetan lernte sie bereits Jahre zuvor über die Studienstiftung kennen. Die beiden verbindet ihre Mission, Werkzeuge zu entwickeln, wie Menschen ihr Potenzial in einer neuen Arbeitswelt bestmöglich einbringen können. Jenny ist kürzlich von Hamburg nach Berlin gezogen. Sie liebt Sushi und verbringt ihre Wochenende am liebsten aktiv und in der Natur.

ERRUNGENSCHAFTEN

Von allem, was Du in den letzten Jahren unternommen hast, um Dein Unternehmen voranzubringen – was war ein wirklich entscheidender Schritt?

Ein Unternehmen aufzubauen ist ein Marathon, jeder kleine Schritt bringt einen voran, sei es der erste große Kunde, ein weiterer besonders bekannter Kunde, ein wichtiger Produkt-Release oder eine Nennung in einem relevanten Medium. Es fällt mir schwer bei unserem Aufbau von Leapsome einzelne Errungenschaften herauszupicken. Wir versuchen als Gründerteam sehr fokussiert stetig die richtigen Schritte zu machen, um möglichst schnell und effektiv, kontinuierlich voranzuschreiten.

FEHLTRITTE

Aus Fehlern lernt man. Aber auf welche Fehlentscheidung hättest Du rückblickend gerne verzichtet?

Ich und wir haben auf dem Weg des Aufbaus von Leapsome immer wieder auch unnötige oder falsche Schritte getan. Aus jedem einzelnen davon haben wir dann etwas gelernt, das uns hilft, in der Zukunft besser zu sein. Deshalb “bereue” ich nichts davon. Fehler zu machen gehört zu jedem neuen Projekt, Unternehmensaufbau und Lernprozess 100% dazu. Bereuen würde ich nur, aus Fehlern nicht zu lernen und mich nicht stetig zu fragen, was ich beim nächsten Mal besser machen werde. Ich versuche jede Entscheidung möglichst effektiv auf Basis, der zum Zeitpunkt verfügbaren Informationen, schnell zu treffen. Ob es ein Fehler war, weiß man dann meist sowieso erst hinterher. Was ich viel mehr bereuen würde, ist Entscheidungsschwäche aus Angst vor Fehlern. Letzteres ist ja leider in vielen Unternehmen ein sehr weit verbreitetes Problem.

URLAUB

Was ist für Dich die maximale Zeitspanne, die Du tagsüber verstreichen lassen kannst, ohne Deine Emails oder Reports zu checken?

Emails und Notifications sind der größte Feind des konzentrierten Arbeitens. Notifications aller Art habe ich grundsätzlich abgeschaltet. Emails und Notifications bringen einen nur von dem Tagesplan, den man sich aktiv gesetzt hat, oder dem Task, an dem man gerade arbeitet, ab. Da ich eng am Kunden arbeite, kann ich es mir leider nicht leisten, nur einmal täglich Emails zu checken. Das wäre meine Wunschvorstellung. Gerade wenn ich an strategischen Themen arbeite, dann schaue ich aber schon einmal 5-6 Stunden gar nicht in meine Emails.

REFLEKTION

Welche Deiner Eigenschaften hilft Dir am meisten dabei, ein Unternehmen zu leiten? Und welche steht Dir am häufigsten im Weg?

Was mir am meisten hilft, ist die Fähigkeit die richtigen Fragen stellen zu können, um einer Sache schnell auf den Grund zu gehen. Was ich aktiv managen muss, damit es mir nicht im Weg steht, ist mir nicht zu viel vorzunehmen und damit unrealistische Ziele zu setzen. Einerseits damit ich selbst nicht gestresst bin, weil ich meine Ziele nie erreichen kann und zweitens - und noch wichtiger - weil es die eigenen Mitarbeiter und das Team demotiviert, wenn Ziele nicht erreichbar sind. Ich arbeite somit stetig daran, sehr ambitionierte aber eben dennoch realistische Ziele zu setzen. Das ist oft gar nicht so einfach.

PRODUKTLIEBE

Kannst du Dein Produkt beschreiben, ohne die Marketingsprache Deines Unternehmens zu verwenden?

Leapsome ist eine Software Plattform, die Mitarbeiter/innen und Führungskräften hilft, in ihrer Rolle erfolgreich zu sein. Und zwar dadurch, dass sie im richtigen Moment Feedback bekommen oder geben können und somit Klarheit über die, an sie gestellten Erwartungen haben. Außerdem hilft Leapsome dem/der Mitarbeiter/in seine/ihre Karriere zu planen und stetig weiterzulernen. Das Ganze ist so leicht und in den Arbeitsalltag integriert, dass es Spaß macht Leapsome zu nutzen.

MÄDCHENTRÄUME

Was wolltest Du werden, als Du klein warst?

Das hat sich regelmäßig geändert, die Favoriten waren Architektin, Designerin und Diplomatin.

NETZWERKEN

Was war der größte Benefit, den Du bisher aus einem Deiner Netzwerke gezogen hast?

Die Möglichkeit andere Gründer, die bereits in ähnlichen Situationen waren oder sind, jederzeit anrufen und befragen zu können.

GROSSE SCHRITTE

Was muss sich in unserer Gesellschaft am dringendsten ändern, damit Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichberechtigt sind?  

Frauen müssen lernen ihre Belange im Arbeitsleben besser durchzusetzen. Mein Lieblingsbeispiel dazu ist das Gehalt, das viele Frauen immer noch viel zu defensiv verhandeln. Meine Empfehlung an jede Freundin, die mich um Rat fragt, ist immer: überlege dir das Gehalt bei dem du dich anfängst unwohl zu fühlen, multipliziere dieses mit 1,15 - 1,25 (sprich erhöhe es um 15-25%) und schreibe dieses dann auf deine Bewerbung bzw. gehe damit in die Gehaltsverhandlung. In diesem Prozess, dass Frauen aktiver für ihre Belange einstehen, müssen Männer und Frauen, Frauen unterstützen. Dieselbe Gehaltsforderung von einer Frau wird oft unverschämter wahrgenommen, als wenn diese von einem Mann kommt, denn von Frauen erwarten wir ja, dass sie nett und bescheiden sind. Mit nett und bescheiden kommt man aber eben nicht weit im Arbeitsleben. Dieser "Biases" müssen Männer und eben auch Frauen sich bewusst machen und daran arbeiten, sie zu überwinden. Dazu helfen Rollenvorbilder und dafür müssen sich auch die Darstellungen von Frauenrollen in Bildungsmedien, Filmen und Co. verändern. Sprich, wir brauchen mehr Wonder Woman!

KLEINE SCHRITTE

Was kannst Du tun, damit Dir und anderen Frauen Respekt für eure Leistung entgegengebracht wird?

Ein bisschen weniger nett und bescheiden und dafür frecher und mutiger sein. Und einander als Frauen unterstützen, überall und jederzeit, so wie es eben möglich ist. Denn es gibt noch zu viele Frauen, die anderen Frauen Steine in den Weg legen, statt sie zu unterstützen und einander den Weg zu bereiten.
Leapsome stellt aktuell Mitarbeiter in den Bereichen Marketing, Sales und Engineering ein, es werden auch Praktikanten und Werkstudenten gesucht.

Leapsome-Gründer Jenny und Kajetan kennen sich schon seit Jahren.
Feedback in Zahlen.
Leapsome wächst, ist inzwischen zweisprachig und begeistert immer mehr Kunden.

EIGENE SICHTBARKEIT

Wie machst Du Dich selbst sichtbar?

Ich spreche und schreibe zu den Themen “Agilität in Firmen” und “Veränderungen der Arbeitswelt durch Künstliche Intelligenz”. Das fällt mir insofern leicht, als dass dies Themen sind, die mir wichtig sind und die mich begeistern.

SICH VERKAUFEN

Als Gründerin bist Du auch zuständig für Sales. Hast Du Spaß daran?

Ja, ich mache gern Vertrieb. Dabei geht es mir darum, schnell die spezifischen Herausforderungen der Kunden zu identifizieren, um dann abwägen zu können, ob unsere Software Plattform bei diesem Kunden Wert schaffen wird. Zum effektiven Vertrieb gehört es, schnell und effektiv zu identifizieren, wo dieser “Solution-Problem-Fit” gegeben ist, um sich auf die richtigen Opportunitäten zu fokussieren. Dennoch gehört es auch zur Vertriebstätigkeit eine hohe Frustrationstoleranz und Resilienz zu haben, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie man es gern hätte und dann trotzdem mit hoher Motivation weiter zu machen.

KINDERSCHRITTE

Was waren die ersten Schritte, um Dein Brand zu etablieren?

Wir haben von Anfang an eng mit Kunden und potenziellen Kunden zusammengearbeitet, um die Herausforderungen und Bedürfnisse unserer Kunden möglichst gut zu verstehen und demnach Leapsome passgenau zu entwickeln. Das ist ein stetiger Prozess, der nie aufhören wird.

FEEDBACK SEHEN

Wie kann man Feedback in Unternehmen sichtbar machen?

Feedback im Unternehmen ist dann erfolgreich, wenn es alltäglich und damit einfacher wird. Wir brauchen Feedback, um uns und unsere Zusammenarbeit in Teams weiterzuentwickeln. Um eine Feedbackkultur in einer Firma zu etablieren, müssen vier Bausteine angegangen werden. Erstens ist es wichtig ein Verständnis davon zu schaffen, warum Feedback wichtig ist und es jedem einzelnen helfen kann. Zweitens müssen minimale Regeln erlernt werden, wie man Feedback gibt und annimmt. Bei diesen beiden Aspekten helfen Trainings für das Team oder zumindest für die Führungskräfte. Drittens müssen formale Mechanismen geschaffen werden, um den Einstieg ins Feedback geben und anfragen immer wieder anzustoßen. Genau das erreicht unsere Leapsome Plattform sehr effektiv und hilft Einzelpersonen und Firmen immer wieder ins Feedback geben und anfragen zu kommen, mal in Form eines 360° Feedback-Prozesses, eines Peer Feedbacks zwischendurch oder auch einer regelmäßigen Mitarbeiter-Umfrage. Viertens ist es wichtig, dass es Vorbilder gibt und Feedback insbesondere auch von den Führungskräften gelebt wird. Alle vier Komponenten müssen letztlich parallel angegangen werden, weil z.B. Trainings ohne formale Mechanismen meist im Sande verlaufen.  

STUDIEREN

Wie sehr hilft es Dir, an so einer renommierten Einrichtung studiert zu haben?

Das ist für mich schwer zu sagen, weil mir der Vergleich fehlt. Mein Netzwerk aus meinem Studium und vorherigen Tätigkeiten hilft mir definitiv sehr und ich bin wahnsinnig dankbar für dieses Netzwerk. Zudem sind die Freundschaften die sich aus diesen Stationen ergeben haben sehr wertvoll und meine Freunde sind meine besten Ratgeber.