Female founders

Anna Søndergaard / Becksöndergaard

Becksöndergaard steht für hohe Qualität, farbenfrohe Collagen und von Hand entworfene Prints. Die dänische Accessoire-Marke wurde 2003 von Anna Søndergaard und Lis Beck gegründet. Seitdem ist es den beiden gelungen, die Marke nicht nur auf dem skandinavischen Markt, sondern auch in Europa und Japan zu etablieren. Anna Søndergaard macht den Auftakt in unserer Female-Founders-Serie, in der wir Gründerinnen zu Wort kommen lassen.

ERRUNGENSCHAFTEN

Von allem, was Du in den letzten Jahren unternommen hast, um Dein Unternehmen voranzubringen – was war ein wirklich entscheidender Schritt?

Die Entscheidung mit einem externen professionellen Investor zusammenzuarbeiten, um so die finanzielle Unterstützung für ein kontinuierliches Wachstum des Unternehmens sicherzustellen.

FEHLTRITTE

Aus Fehlern lernt man. Aber auf welche Fehlentscheidung hättest Du rückblickend gerne verzichtet?

Meinem Instinkt in Bezug auf Menschen nicht getraut zu haben. Als unser Unternehmen noch sehr klein war, stellten wir eine Managerin ein, die schrecklich war. Ich wusste, dass sie nicht gut für die Firma sein würde. Aber ich hatte Angst, dass wir ohne sie nicht auskommen würden, da sie viel Industrieerfahrung hatte, die meiner Partnerin und mir fehlte. Am Ende hat sie fast die gesamte Organisation ruiniert. Wir hätten also unseren Instinkten vertrauen und uns früher von ihr trennen sollen.

URLAUB

Was ist für Dich die maximale Zeitspanne, die Du tagsüber verstreichen lassen kannst, ohne Deine Emails zu checken?

Tagsüber checke ich ständig meine E-Mails, es sei denn ich bin in Meetings. Wenn ich aber im Urlaub bin, zwinge ich mich, meine E-Mails nicht jeden Tag abzurufen. Ich habe Kinder und möchte für sie da sein, wenn wir gemeinsam Zeit verbringen. Also lasse ich mein Handy dann tagsüber in einer Schublade, um nicht draufzuschauen. Ich denke mein aktueller Rekord offline zu sein, ohne E-Mails zu lesen, liegt bei etwa einer Woche. Das ist nicht so beeindruckend, aber es ist viel besser als es früher war.

Anna bei einer Teambesprechung
Foto: Becksöndergaard
Becksöndergaard Showroom in Kopenhagen
Foto: Becksöndergaard
Bunte Taschen für ultragute Sommerlaune
Foto: Becksöndergaard

REFLEKTION

Welche Deiner Eigenschaften hilft Dir am meisten dabei, ein Unternehmen zu leiten? Und welche steht Dir am häufigsten im Weg?

Ich liebe meine Intuition und meine Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln und über den Tellerrand zu schauen. Ich bin gut darin, neue Chancen zu erkennen und Vorhandenes zu optimieren und zu überdenken. Und ich bin extrem effizient. Diese Tatkraft und meine Herangehensweise an die Unternehmensführung stellen sicher, dass wir uns in unserer Organisation ständig weiterentwickeln und auch mein Team lebt von diesem Unternehmergeist. Und ich bin gut im Personalmanagement - darin, Menschen zu inspirieren, zu motivieren und dazu zu bringen, auf neue Art und Weise zusammenzuarbeiten, um Synergien zu schaffen.

Eines meiner größten Probleme ist definitiv mein Mangel an Geduld. Manchmal treffe ich Entscheidungen zu schnell oder bin total frustriert, weil etwas nicht so schnell geht, wie ich es mir wünsche. Und ich nehme mir oft meinen Teller zu voll und dann bin ich am Ende das Nadelöhr der Organisation.

PRODUKTLIEBE

Kannst Du Dein Lieblingsprodukt unter Deinen Produkten beschreiben, ohne die Marketingsprache Deines Unternehmens zu verwenden?

Sicher. Mein absoluter Favorit war, ist und wird auch immer bleiben: unser allererstes Produkt, das Aalleder-Portmonnaie Granny. Es war der Beginn unseres Unternehmens. Ich erinnere mich noch heute, wie sehr ich den Look dieses Materials mochte, als Lis und ich es auf unserer allerersten Reise auf dem Nachtmarkt in Seoul fanden.

MÄDCHENTRÄUME

Was wolltest Du werden, als Du klein warst?

Ich erinnere mich nicht daran, als kleines Mädchen den Traum gehabt zu haben, etwas Spezielles zu werden. Als ich dann in der High School war, dachte ich aber daran, Jura oder Architektur zu studieren. Ich denke, ich hätte eine schreckliche Anwältin abgegeben, aber in einem anderen Leben wäre ich gerne Architektin geworden.

NETZWERKEN

Was war der größte Benefit, den Du bisher aus einem Deiner Netzwerke gezogen hast?

Die Unterstützung um Unternehmerin zu werden und meine eigene Firma zu gründen.

GROSSE SCHRITTE

Was muss sich in unserer Gesellschaft am dringendsten ändern, damit Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichberechtigt sind?  

Das Wichtigste ist, dass die Strukturen in der Gesellschaft Frauen und Männern eine gleichberechtigte berufliche Laufbahn ermöglichen. In Dänemark haben wir sehr gute Kinderbetreuungssysteme, die es Eltern ermöglichen, eine Karriere zu machen. Aber in vielen anderen Ländern - auch in Europa - ist dies nicht der Fall. Das führt dazu, dass die meisten Frauen nach der Geburt ihrer Kinder zu Hause bleiben oder in Teilzeit arbeiten. Wir müssen auch gleiche Rechte in Bezug auf Mutterschaftsurlaub usw. einführen. Auch um einen Mentalitätswandel dahingehend zu bekommen, dass Männer und Frauen gleichberechtigte Eltern sind und sich die Krankheitstage der Kinder, die Elternzeit usw. teilen.

KLEINE SCHRITTE

Was kannst Du tun, damit dir und anderen Frauen Respekt für eure Leistung entgegengebracht wird?

Ich persönlich habe zum Glück immer viel Respekt für meinen Leistungen bekommen - sowohl von Männern als auch von Frauen. Aber wir, die Frauen, müssen besser in der Lage sein, für uns selbst und füreinander einzustehen. Wir müssen in der Wirtschaft, in der Politik usw. sichtbarer werden. Und im Allgemeinen brauchen wir mehr weibliche berufliche Vorbilder in der Gesellschaft. Ich denke ein kleiner erster Schritt ist, dass jede von uns aufhören muss so höflich zu sein. Wir sollten mehr wagen, stolz auf uns selbst sein und offen über die eigenen Leistungen sprechen, anstatt uns auf das zu konzentrieren, worin wir nicht gut sind.