Female founders

Martina Biesterfeldt & Sonia Garcia / ad publica

Martina und Sonia teilen sich die Geschäftsführung von ad publica, einer PR-Agentur, die Kunden wie Unilever, das Tropical Islands, die Schweizer Urlaubsregion Laax, Piper-Heidsieck, Diamant Zucker und Langnese Honig betreut. Sie jetten für Pressetermine durch ganz Europa, sind heute auf einem Weingut in Frankreich, morgen auf einer Dachterrasse in München. Die beiden PR-Profis leiten ein 20-köpfiges Team und beschäftigen sich ganz intensiv damit, Produkte und Brands sichtbar zu machen. Wenn sie nicht arbeiten, sind sie am liebsten mit den Kids im Garten oder auf dem Spielplatz.

ERRUNGENSCHAFTEN

Von allem, was ihr in den letzten Jahren unternommen habt, um euer Unternehmen voranzubringen – was war ein wirklich entscheidender Schritt?

Sich ganz unaufgeregt auf das Thema „Digital/Social Media“ einzulassen. Als dieser Bereich immer wichtiger wurde, haben viele Agenturen sich schwer getan, sich neu aufzustellen. Jeder hat versucht die neuen digitalen Aufträge der Kunden zu bekommen – die PRler genauso wie die Werber oder die Internetagenturen. Da unsere gesamte Geschäftsführung 40+ ist und wir alle schon lange in der PR sind, haben wir diese Veränderung gelassen betrachtet und einfach zugelassen. Denn letztendlich ging und geht es immer um die Frage: Wer ist die Zielgruppe und wie erreiche ich sie? Der ganze digitale Wandel war für uns eine Selbstverständlichkeit, die es zu integrieren galt. Wir hatten früh einen Chief Digital Officer, achten darauf, dass alle Mitarbeiter geschult und immer auf dem neuesten Stand sind - und wir stellen niemanden ein, der sich in der digitalen Welt nicht sicher bewegt.

FEHLTRITTE

Aus Fehlern lernt man. Aber auf welche Fehlentscheidung hättet ihr rückblickend gerne verzichtet?

Früher musste ein PR-Berater alles können: texten, kontaktstark sein und kreativ. Heute haben wir eher Spezialisten und setzen die Mitarbeiter nach ihrem Können ein. Das macht die Mitarbeiter zufriedener und auch erfolgreicher. Es wäre schön, wenn wir diese Erkenntnis etwas früher gehabt hätten.

URLAUB

Was ist für euch die maximale Zeitspanne, die ihr tagsüber verstreichen lassen könnt, ohne eure Emails oder Reports zu checken?

Schwere Frage. Sagen wir mal so, wir schaffen es heute im Urlaub besser abzuschalten als zu Beginn unserer Geschäftsführertätigkeit. Am Anfang war das schwer, aber heute sind wir ein starkes Trio in der Geschäftsführung (Heiko Biesterfeldt ist auch noch mit von der Partie) und können uns komplett aufeinander verlassen. Das bedeutet, wir schalten auch leichter ab. Und da wir viel arbeiten, aber eben auch Kinder haben, ist der Urlaub einfach auch eine sehr wichtige Zeit – da muss das Handy dann auch mal aus der Hand gelegt werden.

REFLEKTION

Welche Eigenschaft hilft euch am meisten dabei, ein Unternehmen zu leiten? Und welche steht euch am häufigsten im Weg?

Wir haben beide den Job von der Pike auf gelernt. Das ist Fluch und Segen zugleich. Super: Wir können mit allen Mitarbeitern auf Augenhöhe sprechen, wir sind nicht „nur“ fürs Finanzielle oder Personelle zuständig, sondern durchdringen und powern auch das Inhaltliche immer voll. Das kann natürlich auch Druck erzeugen. Aber wir haben über die Jahre immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ein hoher Anspruch an uns selbst und an unsere Mitarbeiter letztlich uns alle motiviert – an dieser Stelle ein riesiges Lob und Dankeschön an unsere momentane Truppe bei ad publica – ihr seid die Besten!

MÄDCHENTRÄUME

Was wolltet ihr werden, als ihr klein wart?

Martina: Journalistin.
Sonia: Mein Kleinmädchen-Berufswunsch war Ballerina – ich liebe das Ballett noch bis heute.

NETZWERKEN

Was war der größte Benefit, den ihr bisher aus einem eurer Netzwerke gezogen habt?

Inspiration auf Augenhöhe. In unserer Position kann man nicht mit jedem Außenstehenden über alles reden. Viele Netzwerke richten sich entweder an jüngere Berufstätige, oder man trifft auf verstaubte Netzwerkstrukturen, wenn man auf Geschäftsführer-Ebene netzwerken will. Wir brauchen Austausch auf einer Ebene, auf der wir uns bewegen und da gerne mit so unterschiedlichen Leuten wie möglich. Man will ja nicht nur in seiner PR-Suppe schwimmen. Genau diese Kombination bietet uns nushu.

Ist PR ein reines Netzwerkbusiness?

Ein reines sicher nicht, aber ein gutes Netzwerk hilft natürlich. Bei ad publica tracken wir sehr genau, woher welche Anfrage und welcher Auftrag kommen. Die überragende Mehrheit sind Empfehlungen von zufriedenen Kunden, die uns gerne weiterempfehlen. Und im Grunde ist das auch bereits ein Netzwerk, wir kümmern uns sehr gut um unsere Kunden, sind mit Entscheidern in Kontakt, auch wenn sie die Firma wechseln. 

Aber natürlich sind wir auch immer an neuen Kontakten interessiert, und da spielen Netzwerke eine große Rolle. Jetzt sind wir sehr happy, von Anfang an beim Team nushu dabei zu sein – auf solch ein Netzwerk haben wir lange gewartet. Für uns ist das auf vielerlei Ebenen interessant: Natürlich ist man als Geschäftsführerin immer auf der Suche nach neuen Aufträgen. Aber bei nushu bekommen wir auch einfach sehr viel Inspiration durch Gespräche, Vorträge, die ganzen tollen Frauen. Das hilft und inspiriert uns sehr. Denn letztendlich brauchen wir alle Sparringspartner, und in der Position als Geschäftsführerin muss man sich die sehr gezielt suchen. Nushu ist für uns einfach großartig!

GROSSE SCHRITTE

Was muss sich in unserer Gesellschaft am dringendsten ändern, damit Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichberechtigt sind?  

Männer müssen begreifen, dass auch sie davon profitieren, wenn Frauen wirklich gleichberechtigt sind. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann klappt es.

KLEINE SCHRITTE

Was könnt ihr tun, damit euch und anderen Frauen Respekt für eure Leistung entgegengebracht wird?

Immer wieder betonen: Frauen, macht den Mund auf! Steht dafür ein, was ihr wollt. Macht auf euch aufmerksam und seid stolz auf eure Leistungen. Auch bei ad publica machen wir unseren Mitarbeitern klar, dass wir nicht nur für die Kommunikation unserer Kunden da sind. Nein, man muss auch jeden Tag ein bisschen Eigen-PR betreiben und die eigenen Leistungen hervorheben. Das ist immer wieder in Mitarbeitergesprächen Diskussionsgegenstand. Aber in der Agenturszene arbeiten so viele starke Frauen, die top in ihrem Job sind und die auch gelernt haben, das nach außen zu tragen: Vielleicht sollte sich der Rest der Republik an unserer Branche ein Beispiel nehmen.

Martina kümmert sich um „New Business“ und die internationalen Kunden von ad publica
Sonia ist gebürtige Spanierin und hat sich bei ad publica die digitalen Themen auf die Fahne geschrieben

Was wir außerdem noch dringend wissen wollten:

EURE SICHTBARKEIT

Ihr seid PR- Profis. Wie sichtbar seid Ihr denn selbst?

Intern: Sehr sichtbar. Wir haben ein Großraumbüro, weil das einfach kommunikativer ist. Dort sind auch wir Geschäftsführer jederzeit ansprechbar für unsere Mitarbeiter, das ist uns sehr wichtig. Wenn wir mal Ruhe brauchen um Interna zu besprechen, gehen wir in einen unser beiden Konferenzräume oder auch mal in unseren Lieblings-Coffeeshop in Winterhude.

Extern: Und nach außen hin sind wir auch maximal transparent. Wir geben z.B. unsere Durchwahlen heraus, niemand muss erstmal zum Empfang, wenn er uns direkt sprechen will.

ALS START-UP GESEHEN WERDEN

Gerade für Start-ups ist anfangs oft keine PR-Agentur drin. Was ist Euer Low-Budget-Tipp, um ein Brand zu etablieren?

So ein Minibudget würde mit Werbung schlicht verpuffen. In diesem Fall ist PR deutlich sinnvoller. Um das auf die Schiene zu bringen, haben wir mit maßgeschneiderten Workshops super Erfahrungen gemacht. Sie haben das klare Ziel, dass das Unternehmen die Kommunikation danach selbst anpacken und umsetzen kann. Oft kommen wir später wieder ins Spiel und justieren nochmal nach, wir sehen uns da als eine Art Mentor. Je nach Marke und Branche kann es sinnvoll sein, hier auch gezielt auf eine Influencer-Kooperation zu setzen, um der Marke Sichtbarkeit zu bringen.

INFLUENCER

Sind Influencer ein vorübergehender Trend oder die Zukunft?

Influencer sind schon so lange eine wichtige Multiplikatoren-Gruppe, dass man kaum noch von einem Trend sprechen kann. Je nach Marke, Branche und Zielgruppe kann ein Influencer mittlerweile wichtiger sein als der klassische Journalist. Entsprechend machen Influencer Relations bei einigen unserer Kunden mittlerweile über 50 Prozent aus, manche unserer Aufträge sind sogar reine Social Media Mandate. Bei den meisten Kunden ist die Kommunikation aber eine Mischung, Influencer sind ein Aspekt von vielen. Und sie passen auch nicht zu jedem Produkt.

Im Grunde gilt, was wir schon seit 17 Jahren bei ad publica anwenden: Produkt analysieren, Zielgruppen bestimmen und dann schauen, über welche Kanäle man sie erreicht. Das hat sich gar nicht großartig verändert, es sind heutzutage nur mehr Kanäle und mehr Multiplikatoren. Und Influencer sind und bleiben einer davon. Was also ist die Zukunft? Jeden Tag neu, und wir bleiben die Experten, um Trends und Veränderungen für Marken zu analysieren und zu nutzen.

SICHTBARKEIT & FRAUEN

Wieso heißt es so häufig, dass Frauen in vielen Branchen nicht sichtbar wären?

Weil es so ist! Das Problem ist, Frauen wollen auf andere Weise sichtbar sein als Männer, nämlich durch gute Arbeit und Leistung. Männer haben einfach eine ganz andere Art, sich zu verkaufen und folgen der alten Regel: Wer lauter schreit, wird eher gehört. Wir Frauen müssen also mutiger werden und Eigen-PR betreiben. Rausgehen, laut sein, auf die eigenen Leistungen aufmerksam machen – so werden wir auch besser sichtbar.

DIE MORAL VON DER GESCHICHT

Wie steht es um die Verantwortung von Marken & Werbung? Hat man eine moralische Verantwortung, beispielsweise gegenüber der Zielgruppe Kinder?

Man hat in der Kommunikation immer auch eine moralische Verantwortung. Und Kinder brauchen besonderen Schutz – als Menschen, und natürlich auch als Zielgruppe von Werbung und PR. Die Politik hat da auf gesetzlicher Ebene mittlerweile vieles geregelt, aber wir denken, es sollte im Jahr 2018 keine PR-Agentur mehr geben, deren Anspruch es ist, diese Gesetze „auszureizen“. Vielmehr geht es doch darum, potenzielle Käufer – vor allem, wenn es Eltern sind – zu begleiten und sie zu beraten, zu welchen Anlässen ein Produkt eben das Richtige sein kann.

Wir sind übrigens beide Mütter von zwei knapp Sechsjährigen und erleben täglich, dass Konsumverhalten nicht Frage einer Marke ist. Wenn ein Kind etwas haben will, sind vor allem die Eltern gefragt, die richtigen Werte vorzuleben. Und sind wir mal ehrlich: Keine Kampagne der Welt kann diese Wahrheit umstoßen.