Female Performers

Katharina Krinizki / Kühne + Nagel

Katharina Krinizki hat BWL und International Development mit Stationen in Kiel, Leuven und Bristol studiert. Seit März 2015 findet man sie in der Hafencity beim globalen Logistikdienstleister Kühne + Nagel. Die Quereinsteigerin in der Welt der IT schlägt dort als Product Owner die Brücke zwischen Entwicklerteams und ihren Kunden und bringt digitale Produkte auf den Weg. Abseits von Scrum Sprints und Hackathons probiert sich die Hundeliebhaberin gerne neu aus. Mal widmet sie sich dem kreativen Handwerk und mal neuen sportlichen Herausforderungen – inspiriert von Kerbers Wimbledon Sieg aktuell dem Tennis. 

EINBLICKE

Beschreibe Dein Büro mit drei Stichworten.

Post-its über Post-its, ein eigener grüner Bürodschungel und – wenn man ganz nah ans Fenster geht und nach rechts schaut – auch ein bisschen Elbblick. 

ARBEITSLUST

Welche Deiner regelmäßigen Aufgaben ist Dein Favorit?

Die Workshops in der Anfangsphase eines Projekts, wenn ich mit unseren Kunden (z.B. aus der Seefracht oder HR) zusammensitze und sich aus einer Projektanfrage eine greifbare Vision herauskristallisiert. Und noch schöner ist es natürlich, das Feedback unserer Endnutzer zu kriegen und zu sehen, wie das Produkt ihre Arbeit erleichtert. 

PLANUNG

Hast Du Dich jemals bewusst für Deinen Weg entschieden?

Nicht in dem Sinne, dass ich schon vor 5 oder 10 Jahren gewusst habe, dass ich Product Owner in einem großen Unternehmen sein möchte – ich habe nicht mal gewusst, dass es so eine Rolle gibt. Aber auf dem Weg dahin waren alle kleinen Schritte und Abzweigungen bewusste Entscheidungen, die mich schließlich zu diesem bunten und abwechslungsreichen Job geführt haben.

KOMPLEXITÄT

Wie erklärst Du Deinen Job einer Vierjährigen?

Also wenn einem Vogel etwas in den See gefallen ist und er nicht selber rankommt, dann braucht er Hilfe vom Fisch. Aber für Vogel und Fisch ist es sehr schwer miteinander zu sprechen, weil sie in ganz unterschiedlichen Welten leben. Dabei hilft ihnen dann der Frosch, der vom Wasser an Land springen kann und umgekehrt. Der Frosch findet heraus, was der Vogel braucht und erzählt das dem Fisch und der holt das dann vom Boden des Sees hoch. Und ich bin bei meiner Arbeit sozusagen der Frosch.

FREIHEITEN

Wie flexibel bist Du bei der Gestaltung Deiner Arbeitsorte und -zeiten?

Hauptsächlich arbeite ich von meinem Büro aus – umgeben von meinen Kollegen und Post-its – aber bei gutem Wetter gibt es dann auch mal Open Air Office mit Latte Macchiato in unserem Innenhof. Wir haben Kernarbeitszeiten, daher bin ich nicht unendlich flexibel, was das angeht, aber dafür bietet Kühne + Nagel einen sehr fairen Überstundenausgleich. 

REFLEXION

Welche Deiner Eigenschaften hilft Dir in Deinem Job am meisten? Und welche steht Dir am häufigsten im Weg?

Neugier und das Interesse am Neuen – dadurch kann ich mich immer wieder für neue Projekte und Methoden begeistern und habe Spaß an Herausforderungen. Auf der anderen Seite steht mir dies aber auch im Wege, wenn eine Aufgabe zu repetitiv wird. 

NETZWERKEN

Was war der größte Benefit, den Du bisher aus einem Deiner Netzwerke gezogen hast?

Durch mein Netzwerk bei Kühne + Nagel, das aus Personen unterschiedlichster Fachbereiche und Nationen besteht, habe ich besser verstanden, wie unser Unternehmen aufgebaut ist und wie dessen Einzelteile miteinander interagieren. Und das erleichtert mir letztendlich auch meine Arbeit als Vermittlerin zwischen IT und Business.

KLEINE SCHRITTE

Was kannst Du tun, damit Dir und anderen Frauen Respekt für eure Leistung entgegengebracht wird?

Keine Angst vor großen Herausforderungen haben. 

GROSSE SCHRITTE

Was muss sich in unserer Gesellschaft am dringendsten ändern, damit Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichberechtigt sind?

Erstmal muss der Großteil der Gesellschaft überhaupt anerkennen, dass es eben noch Aufholbedarf gibt, was die Gleichberechtigung von Frauen und Männern angeht. 
Und auf den ersten Blick haben wir auch alle Chancen. Unsere Bundeskanzlerin ist schließlich auch eine Frau. Aber dazu muss man sich auch bewusst machen, dass der Bundestag zu weniger als einem Drittel aus Frauen besteht. Von den Führungsetagen der Unternehmen ganz zu schweigen. 
Wir müssen aufhören, das darauf zu schieben, dass Frauen nun mal „evolutionsbedingt“ eher zu Hause sind als Karriere zu machen und es als ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft begreifen. 

So sieht Katharinas Schreibtisch aus.
Das Kühne+Nagel Gebäude ist ein wahrer Glas-Palast.
Inhalte von Katharinas Job als Product Owner.

Was wir außerdem noch dringend wissen wollten:

MUT IM JOB

In welcher beruflichen Situation warst Du besonders mutig?

Als ich das Angebot angenommen habe, zum ersten Mal alleine einen 3-Tages Workshop im Ausland zu leiten. Ich war jeden Tag so aufgeregt, dass ich nichts essen konnte, aber es lief richtig gut und ich bin stolz auf mich, wenn ich daran zurückdenke.

MUTIGE ENTSCHEIDUNGEN

Wann hättest Du mutiger sein können?

Nach meinem Abi habe ich mich für das „sichere“ Studienfach BWL entschieden. Es hat mir im Nachhinein nicht geschadet, aber es hätte sicher mehr Spaß gemacht etwas zu studieren, das interessanter für mich gewesen wäre, wie z.B. Psychologie oder Informatik.

MUT ERLERNEN

Kann man Mut “erlernen”?

Ich will jetzt nicht wie ein Glückskeks klingen, aber ich glaube mit genug Übung kann man alles erlernen – auch mutig zu sein. Zum Beispiel war ich früher eher ruhig und zurückhaltend und eine Netzwerkveranstaltung, auf der ich niemanden kenne, wäre mein persönlicher Alptraum gewesen. Allerdings habe ich nach den ersten paar Malen gemerkt, dass der Mut jemanden anzusprechen sehr oft belohnt wird.

ERMUTIGUNG

Wer ermutigt Dich, Deinen Weg zu gehen?

Meine Familie und mein Freund. Sie unterstützen mich auch bei Entscheidungen, die für sie selber eigentlich von Nachteil sind, z.B. als ich für meinen Master ins Ausland gegangen bin und nur noch selten zu Hause war.