Frauen und der Feminismus – ein Vorschlag für 2019

Ein Beitrag von Kaja Otto

Wir haben unser nushu member Kaja Otto gefragt, wie sie zu dem Thema Feminismus steht. 

Kaja Otto ist Women Leadership Coach, Spiritual Mentor, Host des SoulWave Radio und Initiatorin des Frauen Barcamp.  Als Status Quo-Shakerin unterstützt sie weltweit Frauen dabei ihre Wahrheit zu finden und ihr Leben und ihr Business danach auszurichten.

Jahrelanges Laufen im Hamsterrad führte sie in Perfektionismus, Arbeitssucht und emotionales Essen. Heute tanzt sie zu ihrer eigenen Melodie und hilft ihren Kunden durch 1:1 Sessions, Kurse und Circles, ihre eigene Wahrheit und individuelle Erfüllung zu finden.

Kaja glaubt nicht an „entweder – oder”, sondern an „mehr von…“ und lässt Menschen durch ihre ganz spezielle Mischung aus modernem Wissen und uralter Weisheit erstrahlen. Sie glaubt, dass es an der Zeit ist, dass wir uns wieder mit unserer eigenen Wahrheit verbinden, unseren wahren Rhythmus finden und unsere Erfüllung leben.

 

Frauen und der Feminismus – ein Vorschlag für 2019

2018 war das Jahr der pinken Pussy Hats, T-Shirts mit „I am a feminist“ und Beyoncés „Lemonade“ Video beschert. Feministin sein war wild, sexy und Popkultur. Und gleichzeitig würden viele Frauen – inklusive Frau Merkel - sich selber nicht als Feministin bezeichnen. Denn das, was dort in den USA, auf dem Laufsteg oder dem Bildschirm passiert, ist doch irgendwie etwas ganz anders als das, was in unserem deutschen Alltag existiert.

Es ist das Jahr 2019. Gemeinsam mit gut hundert Frauen bin ich auf einer Netzwerkveranstaltung in Hamburg. Wir nippen an alkoholischen Getränken, unterhalten uns über unsere Jobs und über unsere eigenen Unternehmungen. Wir bewundern die schick arrangierten Häppchen, die uns von jungen Männern und Frauen serviert werden. Einige von uns sind verheiratet, anderen nicht. Einige von uns haben Kinder, andere nicht. Einige von uns tragen kurze Haare, High Heels, kurze Röcke, andere nicht. Und wir haben einen fantastischen Abend, bis auch die Letzte kurz vor Mitternacht ins Taxi steigt und nach Hause fährt.

Was daran so besonders sein soll? Gute Frage. Das Besondere daran ist, dass ein Abend wie dieser sogar im Jahre 2019 nur für eine Minderheit von Frauen weltweit überhaupt Realität werden kann. Das, was für uns normal ist, ist eben nicht normal. Und auch hierzulande ist es noch nicht lange so, dass Frauen selbständig ihr eigenes Geld verdienen können und damit machen dürfen, was sie wollen.

Spulen wir ein wenig zurück – und keine Angst, dies wir kein belehrender Beitrag. Es ist meine Antwort darauf, warum Feminismus vielleicht doch nicht so unsexy ist, wie wir manchmal denken. Und warum es auch im Alltag richtig chic sein kann Feministin zu sein – denn dazu braucht frau heutzutage keine BHs mehr zu verbrennen oder unrasiert zu sein. Es sei denn, sie will es so. 

Doch bevor wir dahin kommen, gibt es noch ein paar Stationen, an denen wir kurz Halt machen. Die Geschichte des Feminismus ist ziemlich jung. 1997 erst wird das Gesetz, welches Vergewaltigung in der Ehe als Straftat sieht verabschiedet – nicht einstimmig, was das Ganze wirklich prekär macht. Noch bis 1977 konnte ein Mann das Arbeitsverhältnis seiner Frau kündigen und erst seit 1962 dürfen Frauen in Deutschland ein eigenes Bankkonto eröffnen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht erst seit 1949 im Grundgesetz. Und am 19. Januar 1919 durften Frauen erst mal ihre Stimme zur Wahl abgeben.  Dem voraus ging die erste Welle des Feminismus, in der sich Frauen zusammen taten um genau dafür zu kämpfen.

Jetzt sind wir erst 100 Jahre zurück gewandert... und wenn wir uns nur etwas weiter zurückwagen würden, begegneten wir Frauen, denen die Gebärmutter mit der Diagnose Hysterie entnommen wurde (der letzte Fall 1945 bei einem 5-jährigen Mädchen in den USA). Oder wir wagen uns zurück in die 1700er und stoßen auf die Zeit in der Millionen von Frauen als Hexen verurteilt und hingerichtet wurden (die letzte Hinrichtung fand 1782 statt – vor weniger als 250 Jahren, gerade mal acht Generationen her.) 

Mit Sicherheit ist etwas an dem Satz, dass man in der Gegenwart leben soll anstatt in die Vergangenheit zu blicken. Doch ich glaube, dass es für uns als Frauen durchaus wichtig ist, diesen Blick immer wieder zu wagen. Auch um uns vor Augen zu führen, dass das, was wir aktuell als selbstverständlich und gegeben hinnehmen eben dies genau nicht ist. Denn ein Abend wie oben beschrieben, wäre ohne die Frauen, die sich Feministinnen nannten nicht möglich. Feministin sein bedeutet eben nicht nur laut schreiend zu protestieren, sondern für das Wohl und die Rechte aller Frauen und derjenigen die nach uns kommen, einzustehen. 

Ich lasse mich gerne als Feministin bezeichnen und bin auch eine aus vollem Herzen. Denn auch mit einem Blick auf die aktuelle Entwicklung weltweit möchte ich den Mädchen und Frauen die nach mir kommen nicht erklären müssen, warum das, was wir als selbstverständlich empfunden haben, in Zukunft für sie vielleicht nicht mehr gilt.

Und ich freue mich, wenn wir als Frauen in Deutschland genau dafür einstehen. Sichtbar, klar und deutlich. Das ist mein Vorschlag für 2019.