Happy Place

Wenn über Sichtbarkeit gesprochen wird, denken die meisten sofort an externe Sichtbarkeit. An das, was andere Menschen in einem sehen oder wie man sich selbst sichtbar machen soll. Jedoch ist es im ersten Schritt viel wichtiger, die Sichtbarkeit erstmal nach innen zu lenken. Was kannst du für dich sehen? Was erkennst du in deinem Leben nur von innen heraus? Was ist für Dich wichtig, aber noch unsichtbar? Was übersiehst Du vielleicht jeden Tag und könnte Dich viel glücklicher machen?

Bei dieser inneren Sichtbarkeit können unendlich viele Themenbereiche aufgeführt werden. Ich möchte das Beispiel eines Happy Place, so wie ich ihn erlebt habe, erläutern.

 

Starbucks vs. Terrorangst

Im Jahr 2016 habe ich für UNILEVER in den Niederlanden gearbeitet und von dort aus 27 europäische Länder betreut. Entsprechend hoch war die Frequenz meiner Aufenthalte am Flughafen Amsterdam Schiphol. Flughäfen wecken viele Assoziationen. Internationalität, positive sowie auch negative Aufregung, Routine und das alles gepaart mit frühem Aufstehen und spätem nach Hause kommen. In 2016 kam außerdem hinzu, dass Flughäfen generell ein sehr hohes Risiko aufwiesen, ein Ort des Terrors zu werden. Ich war mir meines Gefühls am Anfang gar nicht so bewusst, bis ich reflektierte, dass ich am Flughafen immer in ein gleiches Verhaltensmuster falle (unabhängig vom Kauf des überteuerten Starbucks Coffee) und irgendwie nicht so glücklich bin.

Da ich so viele Stunden in meinem Leben am Flughafen verbrachte, fing ich an zu suchen, was dieses Gefühl des "Unhappy sein" auslöste. Waren es die bewaffneten Beamten und die Angst vor einem Anschlag? Oder waren es die vielen Menschen, die Lautstärke gekoppelt an die Übermüdung und das ständige gehetzt sein, um den Flug zu bekommen?

 

Auf der Suche nach dem Happy Place

Um eine Antwort zu finden, probierte ich, nach innen zu sehen und mir diesen Ort anders sichtbar zu machen. Ganz mit dem Ziel, dass die Zeit, die ich gezwungenermaßen am Flughafen verbringen musste, eine schöne Zeit wird - erfüllt mit Freude und Leichtigkeit!

Einen Happy Place für mich selbst sichtbar zu machen, bedeutete, die positiven Dinge zu erkennen und hervorzuheben. Es bedeutete, ein gutes Gefühl aufzubauen und so das, was mich negativ belastete, komplett umzukehren. Dafür war es zunächst notwendig, zu reflektieren und festzustellen, wie ich die Umgebung und die Menschen am Flughafen wahrnehme. Für mich wurden auf diese Weise viele Dinge anders sichtbar. Der Perspektivenwechsel machte für mich das Positive sichtbar und lenkte meine Aufmerksamkeit auf das, was mir Energie und Freude gab.

Da waren zuallererst die vielen Menschen. Manche von ihnen waren für den Job unterwegs, andere vielleicht auf der Reise ihres Lebens.  Allein die einzelnen Individuen und ihre Emotionen wahrzunehmen, hat meine Position verändert. Ich schwamm nicht mehr einfach in der Masse mit, sondern distanzierte mich davon und fing die Freude ein, wenn sich beispielsweise Leute wiedersahen oder aufgeregt in ein Abenteuer starteten. So wurde der Flughafen-Ausgang ganz schnell zu einem Happy Place, obwohl ich dort nie selbst abgeholt wurde. Aber vor Rührung wurde mir oft ganz warm ums Herz. Und diese Szenen waren immer schon da, sie wurden nur für mich jetzt erst sichtbar und bedeutend für die Charakteristik des Happy Place.

Auch die bewaffneten Beamten wurden für mich zu einem Symbol der absoluten Sicherheit und ein Lächeln und Dankeschön an sie löste so viel Positivität aus. Die langen Wege waren nicht mehr lästig, sondern von nun an der Garant für Bewegung und ich habe auch sie sehr positiv bewertet.

 

Plötzlich schön: Flughafen-Aufenthalte

Doch das Wichtigste war meine innere Einstellung, um den Flughafen für mich zu einem Happy Place zu machen. Durch den Perspektivenwechsel erreichte ich einen Zustand der Freude und auch Leichtigkeit. Und das war unglaublich einfach, denn es ging nicht darum, sich irgendetwas einzureden, sondern darum, es tatsächlich zu fühlen! Das funktionierte nur durch die innere Sichtbarkeit, denn all die Dinge waren schon immer da, nur konnte ich sie von diesem Moment an anders bewerten. Damit brachte ich viel mehr Zufriedenheit in jeden Tag, anstatt diese Zeit am Flughafen neutral oder sogar schlecht zu bewerten.

Es hat sich natürlich nichts an der externen Situation, also an all dem vermeintlich Sichtbarem geändert, trotzdem war es von da an jeden Tag etwas Schönes, am Flughafen Zeit zu verbringen. Der Happy Place "Flughafen" wurde also für mich durch den Perspektivenwechsel sichtbar. Etwas, das ich vorher nicht gesehen habe, hat dann auch meine Sichtbarkeit im Sinne der Ausstrahlung und Ausgeglichenheit positiv verändert.

Susanne Lutkat
Susanne ist seit zehn Jahren für UNILEVER als Marketing Manager unterwegs. Für Magnum Europa hat sie die Kampagnen "Pink&Black" und "Release the Beast Magnum Double" zum Leben erweckt. Privat wie beruflich ist sie mit Ehrgeiz und Elan bei der Sache - hat aber auch die Ruhe, stundenlang bei einem guten Glas Wein zu diskutieren.