Female Founder

Catharina v. Rogister / cicé safer skincare

Catharina von Rogister hat Internationale Betriebswirtschaft in Groningen und Berlin studiert und anschließend bei der renommierten PR-Agentur Schoeller & von Rehlingen gearbeitet. 2007 hat Catharina mit Bernadette Brysch, übrigens auch Co-Founderin von nushu, cicé safer skincare gegründet. Cicé entwickelt Anti-Aging-Produkte mit hautberuhigenden Wirkstoffen. Mittlerweile umfasst die Kosmetik-Linie neun Produkte und wird weiter ausgebaut. Cicé ist ein echtes Female Power Unternehmen, denn das sechsköpfige Team besteht ausschließlich aus Frauen. Vom Hamburger Schanzenviertel aus versendet Cicé seine Produkte nach ganz Europa.

ERRUNGENSCHAFTEN

Von allem, was du in den letzten Jahren unternommen hast, um dein Unternehmen voranzubringen – was war ein wirklich entscheidender Schritt?

Die Konzentration auf den Onlineshop. Im Direktvertrieb über einen eigenen Shop hat man nicht nur die größten Margen sondern noch viel wichtiger auch den größten Einfluss. Man kann eine klare Strategie festlegen, deren Erfolg man mit einer Vielzahl von Kennzahlen ständig messen und vor allem auch mit den entsprechenden Instrumenten steuern kann. 

FEHLTRITTE

Aus Fehlern lernt man. Aber auf welche Fehlentscheidung hättest du rückblickend gerne verzichtet?

Wir haben rückblickend viel Zeit, Kraft und Geld im Bereich Vertrieb fehlinvestiert. Hier haben wir einiges ausprobiert. Jeder neue Weg hat wieder Hoffnung geweckt und am Ende hat vieles davon nicht funktioniert.

URLAUB

Was ist für dich die maximale Zeitspanne, die du tagsüber verstreichen lassen kannst, ohne deine Emails oder Reports zu checken?

Mit kleinen Kindern wird man zu diesen Pausen gezwungen. Es kommt schon vor, dass ich drei Stunden nicht auf mein Handy schaue, weil die Kleinen meine volle Aufmerksamkeit benötigen.

REFLEKTION

Welche deiner Eigenschaften hilft dir am meisten dabei, ein Unternehmen zu leiten? Und welche steht dir am häufigsten im Weg?

Ich habe lange im Event-Bereich gearbeitet und dort gelernt, sehr strukturiert zu arbeiten. Das hilft mir heute auf jeden Fall weiter. Und ich kann gut im Team arbeiten, was meines Erachtens essentiell ist, wenn man ein Unternehmen leitet. Manchmal wäre ich gern etwas mutiger, aber vielleicht ist es auch eine weibliche Eigenschaft, die Dinge vorsichtiger anzugehen. 

PRODUKTLIEBE

Kannst du dein Produkt (bzw. dein Lieblingsprodukt unter deinen Produkten) beschreiben, ohne die Marketingsprache deines Unternehmens zu verwenden?

Das finde ich tatsächlich eine schwierige Frage. Dafür bin ich zu sehr im Thema und würde wahrscheinlich immer Begriffe aus unserem Marketing gebrauchen. Aber ich versuche es gern: cicé tut meiner Haut gut. Ich habe das Gefühl, dass sie langsamer altert und einfach gesund aussieht.

MÄDCHENTRÄUME

Was wolltest du werden, als du klein warst?

Tierärztin – tatsächlich ein Mädchentraum.

INSPIRATION

In welcher beruflichen Situation bist du von einem Vorbild inspiriert worden und hast entsprechend gehandelt?

Ein Vorbild ist mein Vater – selbst Unternehmer. Er hat mir beigebracht, mit etwas Abstand und Ruhe auf die Dinge zu schauen. Das hat mir schon oft geholfen, Herausforderungen richtig zu sehen und nicht in Hektik und blinden Aktionismus zu verfallen.

 

NETZWERKEN

Was war der größte Benefit, den du bisher aus einem deiner Netzwerke gezogen hast?

Die Vermittlung von Jobs. Ich habe bis jetzt keinen meiner Jobs über eine klassische Bewerbung bekommen. Und auch bei uns im Team arbeiten nur Frauen, die wir direkt oder über Bekannte kennen. Hier setzt ja auch nushu an – das finde ich sehr sinnvoll.

GROßE SCHRITTE

Was muss sich in unserer Gesellschaft am dringendsten ändern, damit Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichberechtigt sind?

Ich glaube, hier haben wir schon viel erreicht. Mehr Frauen sind heute erwerbstätig und verfügen über einen besseren Bildungsstand. Ich erschrecke mich aber häufig über die Einstellung zur Berufstätigkeit von Frauen und Müttern – die scheint manchmal stehen geblieben zu sein. Hier muss meiner Meinung nach noch viel mehr miteinander gesprochen werden. Und die Verteilung der Aufgaben im privaten Bereich ist oft noch sehr ungleich verteilt – das wirkt sich natürlich auch auf die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt aus, weil einfach der Fokus bei Männern und Frauen ein anderer ist.  

KLEINE SCHRITTE

Was kannst du tun, damit dir und anderen Frauen Respekt für eure Leistung entgegengebracht wird?

Das fängt im ganz kleinen an. Es ist wichtig in der Familie und in der Partnerschaft Gleichberechtigung zu leben und den Kindern vorzuleben. Dazu gehört auch, die Diskussion zu dem Thema zu suchen – sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis. Damit weckt man das Bewusstsein für das Thema und stärkt gleichzeitig die Frauen in seinem engeren Umfeld.

Was wir außerdem noch dringend wissen wollten:

LEADERSHIP

Du teilst dir die Geschäftsführung von cicé safer skincare mit Berna (die auch Co-Founderin bei nushu ist). Wie funktioniert so eine gemeinsame Führung?

Berna und ich kennen uns schon sehr lange und haben bereits vor der Gründung viel zusammen erlebt. Die gemeinsame Führung eines Unternehmens ist meines Erachtens vergleichbar mit einer Beziehung – die funktioniert nur mit bedingungslosem Vertrauen, Respekt voreinander, Ehrlichkeit, Empathie und indem man sich gegenseitig ergänzt. Berna und ich decken im Unternehmen sehr unterschiedliche Bereiche ab.

CHANCEN UND RISIKEN

Wie haben sich die Chancen und Risiken für kleine Labels seit eurer Gründung 2007 verändert?

Die Entwicklung des Onlinehandels hat uns ganz neue Chancen eröffnet. Wer den Onlinehandel verteufelt, denkt nicht an die vielen kleinen Labels, die ohne einen gut funktionierenden Onlineshop gar nicht auf dem Markt wären. In den stationären Handel zu kommen, ist oft mit sehr hohen Kosten verbunden, die gerade start-ups nicht aufbringen können. 

Die Kunden sind wie beim Essen kritischer geworden. Viele setzen sich inzwischen auch bei Kosmetik mit den Inhaltsstoffen auseinander und schmieren sich nicht irgendwas ins Gesicht, nur weil eine große Marke dahinter steckt. Da können natürlich kleine Labels, die transparent nach außen auftreten, punkten. 

Die beiden oben genannten Chancen beinhalten auch gleichzeitig ein Risiko. Es kommen immer mehr kleine Kosmetik-Labels auf den Markt, mit denen wir online konkurrieren.

Und die vielen Restriktionen im Onlinerecht, durch die Kosmetik-Verordnung, das Verpackungsgesetz und in vielen weiteren Bereichen machen es manchmal schwer, aber natürlich sind diese auch notwendig.

GRÜNDUNG

Wenn du nochmal gründen würdest – in welcher Branche?

Das kann ich nicht sagen – wahrscheinlich würde ich mir eine Branche mit einem weniger gesättigten Markt aussuchen und wo die Marke an sich keine so große Rolle spielt. Eine Marke im Kosmetikbereich zu etablieren, ist schon eine sehr große Herausforderung.