(K)eine Karrierefrau?

Interview mit Antje Kroon

Den Start unserer New Work Interview-Reihe im Dezember macht Antje. Wir haben mit ihr über ihre Definition von New Work gesprochen und sie auf die Stage von 12min.me gebracht. Das Video dazu findest du unten. Schau es dir  an!

Antje ist nach einigen Stationen als Kundenberaterin und Projektmanagerin seit drei Jahren Strategic Planner in der Werbeagentur zwhy der Ministry Group und auch von Natur aus eine leidenschaftliche „Planerin”. Um ständig neue Lösungen parat zu haben, hält sie immer die Augen nach neuen Inspirationen auf und beschäftigt sich auch mal mit Themen „außerhalb ihres Tellerrandes”. Dank ihres Wirtschaftspsychologie-Studiums und persönlichen Arbeitserfahrungen hat sie ein Gefühl dafür bekommen, wie sie geführt werden möchte und wie sie führen will. Bei der Ministry Group hat sie genau das gefunden, wonach sie gesucht hat und sieht durch den New Work Ansatz  viele Vorteile für ihre Karriere.

„Ich habe mich irgendwann zurecht gefragt: Bin ich nicht mittendrin im „Karriere machen”? Ich bewirke so viel mit meiner Arbeit und in dem Unternehmen, ohne dass ich „Geschäftsführerin” oder „CEO” bin. Ich bin nicht oben. Aber ich habe jederzeit die Möglichkeit, meinen Job so zu interpretieren, wie ich es möchte. Muss ich vielleicht meine Definition überdenken? Abseits davon, was die Gesellschaft meint. Ist die Karriere nicht viel mehr ein Klettergerüst statt einer Leiter?”

Antje begreift New Work als Chance. Diese Erfahrung möchte sie teilen und andere dazu inspirieren, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und selbstbewusster und -bestimmter mit dem eigenen Leben umzugehen.

 

Eine neue Perspektive auf die Definition „Karriere”

DEFINITION

Wie erklärst du New Work jemanden, der den Begriff noch nicht kennt?

Bei New Work geht es darum, Systeme zu finden, die zum Menschen passen. Damit der Mensch in einem Umfeld so arbeiten kann, wie er am produktivsten und motiviertesten ist. Seit der Industrialisierung ging es nämlich immer nur darum, den Menschen in irgendwelche vorhandenen Systeme zu pressen/zwängen und das ist absolut nicht mehr zeitgemäß und erst recht nicht gesund.

Antjes Vortrag bei 12min.me Ignite Talks #58 Hamburg

WERTE UND ANSATZ

Welche Ansätze von New Work nimmst du in deinem Business auf?

Eigenverantwortung! Ich genieße es sehr, dass mir ein New Work Umfeld ermöglicht, nicht nur eigenverantwortlich zu arbeiten, sondern auch dort Verantwortung zu übernehmen, wo ich sonst noch Stärken habe. Heißt, ich mache nicht „nur" meinen Job, sondern schaffe mir Abwechslung dadurch, dass ich mich auch mit anderen Themen befassen kann und so ja auch das Unternehmen, in dem ich arbeite, aktiv mitgestalte. Das bietet natürlich die größte Chance, dass dieses Unternehmen auch in der Zukunft zu mir passt.

Welche Werte des New Works bedeuten dir am meisten?

Freiraum! Wir bei der Ministry Group glauben an die persönliche und gemeinsame Weiterentwicklung durch Freiraum. Weiterentwicklung führt wiederum zu kreativeren Ergebnissen, auf die wir stolz sein können. Und Stolz auf das gemeinsam erreichte macht wiederum viel Freude. Und das motiviert natürlich, sich dann wieder reinzuhängen.

Für Antje gilt seit jeher: „I never dreamed of success - I worked for it” – Estée Lauder.

UMSETZUNG

Startups wollen Flexibilität und New-Work-Ansätze in ihre Unternehmen etablieren, wissen aber, dass feste Strukturen besonders am Anfang wichtig für das junge Unternehmen sind, um ein gut funktionierendes, verlässliches Team zu schaffen – Wie können Startups damit ideal umgehen?

Das ist für mich kein Widerspruch! New Work bedeutet nicht, dass es „keine festen Strukturen“ gibt. Ich denke, dass feste Strukturen, die zum Mensch und insbesondere zum Team passen, es gerade erst ermöglichen, flexibel arbeiten zu können. Denn gibt es keine Strukturen und Prozesse, dann endet das alles im heillosen Chaos.

Wichtig dabei ist jedoch, auch die Strukturen und Prozesse immer wieder zu hinterfragen und zu optimieren und nicht davon auszugehen, dass dies ein einmaliger Aufwand ist und dann hat sich die Sache. New Work ist ein Weg und dieser Weg bedeutet auch harte Arbeit.

FREIHEITEN

Wie flexibel bist du bei der Gestaltung deiner Arbeitsorte und -zeiten?

So flexibel wie möglich und wie nötig. Das bedeutet: Ich kann mir meinen Arbeitsort und auch die Arbeitszeit auswählen – aber immer in Absprache mit dem Team. Dabei geht es nicht darum, dass ich mir die „Erlaubnis“ einhole, sondern vielmehr, dass ich mich mit dem Team abstimme, damit jeder auch weiß, wann ich erreichbar bzw. vor Ort anzutreffen bin. Und manchmal sagt auch der ganz normale Menschenverstand, dass es vielleicht gerade nicht möglich ist, Homeoffice zu machen – wenn z.B. ein Workshop oder ein Chemistry Meeting mit einem Kunden ansteht. So schön die digitalen Möglichkeiten auch sind, wir dürfen auch nicht vergessen, dass gerade die Agenturarbeit auch viel „People's Business“ ist und es manchmal auch einfach schöner ist, sich persönlich zu treffen.

REFLEXION

Für viele bedeutet New Work = Home Office – Wie siehst du das?

Mit Mythen und Aussagen wie „New Work ist doch eher No Work“ oder „agil ist ein Synonym für chaotisch“ oder auch „New Work bedeutet, jeder kann machen, was er will“ müssen wir uns auseinandersetzen. Es ist auch kein Wunder, denn die Änderung der Digitalisierung wird immer durch die Generation Y begründet. Diese Generation möchte etwas anderes vom Arbeitsumfeld. Das schürt leider den Eindruck, dass diese Veränderung – New Work – eigentlich nur dazu dient, so wenig wie möglich zu arbeiten und die besten Vorzüge zu bekommen. So sieht es oftmals aus. So ist es aber nicht. New Work funktioniert nicht in jedem Unternehmen gleich. Jede Kultur braucht etwas anderes, es gilt herauszufinden, was. Und das ist zeitweise anstrengender, als sich immer nur über Vorhandenes zu beschweren. Aber umso schöner, wenn man Systeme gemeinsam gefunden hat, die für das Team funktionieren und in denen jeder am besten und effizientesten Arbeiten kann. Denn letzten Endes geht es genau darum.