Die gläserne Decke: Oft scheitern Frauen nicht an ihr, sondern an sich selbst – Das war unser breaky vom 05.07. in Hamburg

Fünf Strategien für mehr Selbstwirksamkeit

Am 05.07. starteten wir mit dem nushu breaky in Hamburg in unseren Geburtstagsmonat! OTTO-Personaldirektorin Sabine Josch sprach zum kontroversen Thema „Die gläserne Decke: Oft scheitern Frauen nicht an ihr, sondern an sich selbst.“ und gab uns Strategien für mehr Selbstwirksamkeit mit auf den Weg. Sabines Tipps haben wir für dich hier noch einmal zusammengefasst:

Sabine Josch
Sabine Josch, OTTO-Personaldirektorin

Sabine ist in Kiel geboren und aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und fand 1997 ihren Einstieg in die Otto Group. Dort arbeitete sie in verschiedenen Firmen der Otto Group in den Bereichen Personal, Marketing und Kommunikation. Seit 2011 verantwortet Sabine als Personaldirektorin den HR-Bereich des Hamburger Onlinehändlers OTTO.

Tipp #1: Geh‘ ein Risiko ein!

Scheitern gehört zum Erfolg dazu – wichtig ist nur, Scheitern als Erfahrungszugewinn zu sehen und dann einen neuen Anlauf zu wagen. Es fängt schon in der Kindererziehung an: Während Jungs für mutiges und risikofreudiges Verhalten gelobt werden, wird Mädchen beigebracht, Misserfolge und Risiko zu vermeiden. Solche Denkweisen können im späteren Berufsleben zu einem Mut-Defizit führen. Akzeptiert vermeintliche Misserfolge also einfach als Zwischenschritt zum nächsten Erfolg.

Tipp #2: Bau‘ dir ein heterogenes Netzwerk auf!

Frauen- und Männernetzwerke sind hilfreich. Sie stärken unsere Gemeinschaft untereinander, sie helfen beim Austausch und beim Netzwerken. Dafür sind solche Verbindungen, die wir aufbauen, Gold wert. Natürlich sollten wir Frauen uns zusammentun – miteinander statt gegeneinander arbeiten, die Kollegin stärken, ihre Qualifikationen hervorheben und sie pushen. Aber vor allem hilft auch Teil der Party sein zu wollen.

Tipp #3: Empfehlungsmarketing zahlt sich aus!

Stellen werden mehr und mehr über kraftvolle, heterogene Netzwerke vergeben. Deshalb sei auf Plattformen präsent, zeige deine Meinung, tausche dich mit anderen aus deiner Branche aus und unterstützt euch gegenseitig.

Tipp #4: Suche dir einen männlichen Mentor, der dich fördert!

Das klingt im ersten Moment sicherlich, als wäre das der vollkommen falsche Weg. Aber wir können viel voneinander lernen. Denn Männer geben andere Tipps als Frauen, treten anders auf, mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit. Bringt euer männliches Vorbild dazu, euch zu coachen, denn es gibt zu wenig Männer, die Frauen fördern – gleichzeitig aber auch zu wenig Frauen, die von Männern gefördert werden wollen. Und verliert eines nicht aus dem Blick: die Position eures Mentors ist viel wichtiger als das Geschlecht.

Tipp #5: Definiere deine Ziele!

Mach’ dir deine Ziele bewusst und kommuniziere sie offen. Leider neigen Frauen dazu, darauf zu hoffen, dass der Gesprächspartner weiß, welche Wünsche und Ziele sie haben. Dass das in den wenigsten Fällen so ist, hast du bestimmt selbst schon erlebt. Also sprich aus, was du erreichen willst, nur dann kannst du erfolgreich handeln und kommunizieren.

Tipp #6: Kenne deine Stärken und teile Lob mit anderen!

Fühle dich nicht wie eine Mogelpackung (Impostor-Syndrom LINK), kenne deinen Wert! Ganz wichtig: Sei nicht dankbar, dass du „mitspielen darfst“ und verkaufe dich nicht unter Wert. Denn nur wenn du deiner Stärken bewusst bist, wirst du gesehen. Warte nicht darauf, entdeckt zu werden – nimm es selber in die Hand und tue etwas dafür. Was das sein kann? Es reicht nicht, super Arbeit zu leisten – du musst auf dich aufmerksam machen. Beteilige dich an unbeliebten Aufgaben, die aber wichtig für den Erfolg eines Projektes sind. Freue dich nicht im stillen Kämmerlein über deinen Erfolg oder ein Lob. Teile es mit dem Team oder deiner Führungskraft. Führungskräfte sind dankbar, wenn sie von ihren Teammitgliedern erfahren, dass Kunden, Geschäftspartner oder Kollegen zufrieden sind, weil sie einen guten Job gemacht haben. 

Tipp #7: Wähle Herausforderungen!

Wenn du vor zwei Herausforderungen stehst – wähle die Schwerere. Solche Situationen bieten die Chance, sich zu beweisen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und auf sich aufmerksam zu machen.

Tipp #8: Vermeide Rollenklischees!

Achte auch auf vermeintliche Kleinigkeiten, die Rollenklischees fördern. Eine klassische Meeting-Situation: Sieben Personen treffen sich, um über den Projektfortschritt zu sprechen, vier Männer, drei Frauen. Die Kaffeetassen stehen schon vorbereitet auf dem Tisch – wer greift als erstes zur Kanne und versorgt alle anderen? Macht‘s ein Mann, ist er aufmerksam. Macht das eine Frau, wird sie schnell in die Rolle der Teamassistenz verordnet. Hast du schon mal beobachtet, wer den Tisch abräumt, wenn Kuchen gegessen wurde?

Tipp #9: Verhalten im Meeting

Viele Arbeitskontexte sind noch von männlichen Strukturen, Denk- und Verhaltensweisen geprägt – sei dir dessen bewusst und nutze jedes Meeting, um dir über die Spielregeln klar zu werden. Sabine sieht solche Situationen gerne als Sozialforschung… :-)

Ein erfolgreicher Termin beginnt schon vor dem Raum und zwar mit einer souveränen Körpersprache. Ob spät dran oder pünktlich: Nutze das Eintreten in den Raum, um die Situation zu analysieren. Lass dich nicht auf den nächstbesten Stuhl fallen, damit du nicht auffällst. Suche dir den strategisch besten aus!

Menschen neigen dazu, entweder eher vertikal oder eher horizontal zu kommunizieren. Untersuchungen zeigen, dass vor allem Männer das vertikale Sprachsystem bevorzugen, bedeutet: Bevor in einem Meeting ein Sachverhalt inhaltlich besprochen wird, müssen sie den Rang klären. Egal wie argumentativ sauber du agierst, egal wie gut deine Strategie oder Analyse ist – für Menschen, die vertikal kommunizieren, muss die Rangfrage geklärt sein, bevor sie sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das ist, wie Sabine findet, total unsympathisch, ist aber einfach so. Ein Beispiel, dass bestimmt alle schon erlebt haben: Ramona, Abteilungsleiterin Strategie & Analyse, stellt das neuste Reporting vor. Ein männlicher Kollege unterbricht sie währenddessen fortlaufend. Nach der dritten Störung wird es Ramona zu blöd, sie zieht sich zurück und lässt andere reden. Ein Fehler, der mit etwas Übung leicht umschifft werden kann. Sabine wendet dazu gerne zwei Taktiken an, du musst selber ausprobieren, womit du dich wohler fühlst.

Taktik #1: Störer durch Blickkontakt stoppen. Schneidet dir jemand das Wort ab, beende deinen Redefluss, warte ein paar Sekunden, schaue der Person direkt in die Augen und halte das Schweigen und den Blickkontakt aus. Wende dich anschließend an den „wichtigsten“ Menschen im Raum und setze deinen Beitrag fort als wäre nichts vorgefallen.

Taktik #2: Diese ist sehr effektiv, aber subtil: Unterbreche deinen Vortrag und lege die Hand auf die Schulter des Störers.

Tipp #10: Siehe Kritik als ein Geschenk!

Stelle dich kritischen Situationen und freue dich auf das Feedback – auch wenn es schmerzhaft ist. Wer nur gelobt wird, lernt langsamer als jemand, der Kritik erfährt. Du musst gewiss nicht jedermanns Liebling sein, also lass dich von Kritik nicht einschüchtern oder verunsichern. Nimm sie stattdessen als Chance zu wachsen.

Tipp #11: Hab‘ Selbstvertrauen!

Zum guten Schluss das Wichtigste: Trau dir selbst am allermeisten zu. Das bedeutet so viel wie: Wenn andere dir einen Job anbieten, sie einschätzen, dass du für die Position geeignet bist, dann mach‘ dich bloß nicht klein. Vieles lernst du schneller, wenn du es einfach machst. Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht qualifiziert genug oder du unsicher in einem Themengebiet bist, dann tu etwas dagegen, um dich selbst in die bestmögliche Position zu bringen.

 Also: Sei bei Aufstiegsmöglichkeiten nicht zu zögerlich, du musst nicht zu 120 Prozent auf die neue Stelle passen. Schiebe unbegründete Selbstzweifel bei Seite und traue dich aus der Komfortzone, es lohnt sich immer.