Das war die nushu night am 16.10.

From Impulse to Impact

„Nature is angry. And we fool ourselves if we think, that we can fool nature. Because nature always strikes back. And around the world, nature is striking back with fury.” Mit diesen Worten begann UN-Generalsekretär António Guterres vor einer Woche seine Rede zur Lage der Klimakrise beim Climate Action Summit in New York. Und Recht hat er: Die Natur schlägt zurück, mit Naturkatastrophen, Dürreperioden, Wetterextremen. Die letzten fünf Jahre, von 2015-2019, waren die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnung! „Deutschland hat ein Prozent der Weltbevölkerung, verursacht aber zwei Prozent der weltweiten Emissionen. Wenn alle so handeln würden wie Deutschland, würden sich die Emissionen weltweit verdoppeln. Jeder weiß, was das bedeutet.”, erläuterte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei eben jenem Summit die Problematik in Deutschland. Keine Frage, es ist an der Zeit, sich an die eigene Nase zu fassen und Gedanken zu machen, wie das eigene Leben nachhaltiger werden kann. Weniger Flüge, weniger Fleischkonsum, weniger neue Klamotten, dafür mehr Recycling; es gibt viele Nachhaltigkeitsschrauben, an denen jede und jeder Einzelne noch schrauben kann. Auch dafür standen die 1,4 Millionen Menschen, unter anderem wir, die am 20.09.19 unter dem Motto #AlleFürsKlima allein in Deutschland lautstark demonstrierten.

Impulse setzen, die hoffentlich zu Impact führen. Unsere nushu night am 16.10. in der HMS Hamburg Media School beschäftigte sich genau damit: „From Impulse to Impact”.

Wie nimmt man als Marke seine gesellschaftliche Verantwortung wahr? Shari Linthe, Managing Director der Naturkosmetikmarke „STOP THE WATER WHILE USING ME!”, nahm sich bei der nushu night dieser Frage an. Die Gründung von “Stop the Water” entstand aus der Idee heraus, wie man als Unternehmen einen Beitrag leisten kann. „Kann Konsum Teil der Lösung sein? Kann Konsum die Welt retten? Nicht alleine, aber mit positivem Impact kann man definitiv einen Beitrag leisten.”, so Shari. Mit ihrem Unternehmen will sie und ihr Team auf die Problematik der steigenden Wasserknappheit aufmerksam machen. Die Idee: Eine Kosmetikmarke, die Wasser spart, Wasser schützt und Wasser spendet. Wasser spart, indem sie mit ihrem Unternehmensnamen konstant daran erinnern, das Wasser wann immer möglich abzustellen. Wasser schützen, indem sie nur natürliche und für die Umwelt harmlose Inhaltsstoffe verwenden. Und Wasser spenden, indem ein Teil der Erlöse an Wasserinitiativen gehen. Der Impact ihres Unternehmens sei natürlich nicht mit den großen Global Players zu vergleichen. Natürlich sei es schön, wenn sie auf Plastik in der Verpackung verzichteten und sehen, dass es bei den Kund*innen gut angenommen wird. Aber um die Problematik der Klimakrise zu überwinden, müssten alle anpacken – für den großen Impact brauchen kleine Firmen, wie Stop the Water, eben jene Global Players wie L’Oreal und Co. Wenn L’Oreal anfangen würde auf Plastik in der Verpackung von Shampoo zu verzichten, ist das nochmal ein ganz anderer Hebel. „Ich sehe das nicht als ‘David gegen Golitah’, sondern vielmehr als die ‘vielen kleinen Davids (kleine Firmen mit innovativen Ideen) ziehen den großen Goliath hinter sich her’ und so entsteht richtig großer Impact”. Shari sieht dabei aber auch die Pflicht auf individueller Ebene: „Jede*r kann etwas tun. Der Satz ‘Dein Bon ist dein Wahlzettel’ klingt zwar abgedroschen, aber er ist wahr! Mit jedem Kauf triffst du eine Entscheidung.” Entscheidungen von Politik und Wirtschaft einzufordern ist gut und wichtig, aber man sollte auch nicht vergessen, was bei einem selbst liegt, so Shari. Und wie so oft im Leben, sollte auch hier Perfektionismus nicht im Vordergrund stehen. Perfektionismus hemmt schlicht nur. Eher sollte man kontinuierlich hinterfragen, was man wo und wie besser machen kann.

Shari Linthe
Shari Linthe

Als Managing Director der Hamburger Naturkosmetikmarke STOP THE WATER WHILE USING ME! – der ersten Naturkosmetiklinie die zum Wassersparen aufruft – holt Shari Linthe ein gesellschaftlich relevantes Thema aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft. Die 30-jährige kämpft zusammen mit dem 13-köpfigen Team auf unkonventionelle Art und Weise gegen die Wasserverschwendung. Das Ziel: Auf die globale Wasserproblematik Aufmerksam zu machen. Mit starker Haltung setzen sie und ihr Team Impulse, um den großen Playern der Beautyindustrie aufzuzeigen, dass die Welt bereit ist für bessere Alternativen – und auch kleine Stimmen aufrütteln und etwas bewegen können.

Thekla Wilkening ist Nachhaltigkeitsberaterin und sprach über Nachhaltigkeit in der Mode- und Textilindustrie und den dringend notwendigen Wandel hin zu einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft, in allen Branchen. Als gelernte Bekleidungstechnikerin hat sie früh gelernt, wie die Textilproduktion abläuft, von den Arbeitsbedingungen hin zur Umweltbelastung. „Die Modeindustrie ist einer der größten Umweltsünder überhaupt.”, so Thekla – und auch hier sind wir als Endkonsument*innen Teil des Problems. Fast Fashion, erstmal kaufen und später darüber nachdenken, ob wir es eigentlich wirklich brauchen oder kaufen, obwohl wir ganz genau wissen, dass wir es eigentlich nur für den einen Abend anziehen wollen. „Wir kaufen und kaufen – und so vieles davon tragen wir dann letztlich nicht mal.” Thekla nimmt sich dabei nicht raus, dennoch beschäftigte sie es sehr. Vor sieben Jahren gründete sie deshalb mit 25 „Die Kleiderei”. Dort konnte man gegen eine monatliche Pauschale Kleidung mieten; musste dementsprechend nicht auf neue Styles verzichten, ohne alles zu horten. Thekla ist überzeugt von der Kreislaufwirtschaft: Nutzen statt besitzen, wie eben bei einer Wohnung, oder beim Carsharing. „Im Endeffekt kann ich für den gleichen Preis hochwertigere, vielleicht sogar eigentlich außerhalb meiner Preisklasse liegende, Teile tragen.” Und so wird das Kleidungsstück immer weitergegeben, bis es irgendwann zurück an die Industrie geht und in seine Grundstoffe zurückgesetzt wird. „Ich plädiere für mehr Weitsicht und weniger ‘nach mir die Sinnflut’-Verhalten.” Ihrer Meinung nach sollte sich jede und jeder an Klimaneutralität orientieren: Reduziere so viel wie möglich und gleiche den Rest aus.

Thekla Wilkening
Thekla Wilkening

Bekleidungstechnikerin Thekla Wilkening setzt innovative Konzepte in der nachhaltigen Bekleidungsindustrie um. Zu ihren Projekten gehören die strategische Beratung des Mode-Miet-Modells STAY AWHILE, die Entwicklung und Umsetzung des PrePeek-Showrooms auf der NEONYT Messe in Berlin, zur Erhöhung der medialen Sichtbarkeit nachhaltiger Modelabels, sowie die Beratung einzelner dieser Labels. Wilkening hält zu dem regelmäßig Vorträge zum Thema Kreislaufwirtschaft und engagiert sich im „Grünen Drehpass“ der Filmförderung Schleswig Holstein im Bereich „Nachhaltiges Kostümbild.“ Wilkening war zudem von 2012 bis 2018 Gesellschafter/Geschäftsführerin der Kleiderei Hamburg GmbH – Deutschlands erstem Access-over-Ownership-Modell im Bereich Mode.

Vanessa legte bei der nushu night ihren Fokus auf die gesellschaftliche Nachhaltigkeit: Eco statt Ego Awareness! 2016 gründete sie ihr Unternehmen yoga2b, mit dem Ziel, mehr Yoga in die Businesswelt zu bringen, um damit die Herausforderung der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. „Es gibt Tage, an denen einfach alles nervt und man sich wie gefangen fühlt im Hamsterrad. Dann haben wir einen schönen Moment im Park, bei dem wir zur Ruhe kommen. Und plötzlich merken wir, dass eigentlich ja alles gar nicht so schlimm ist und es uns im Grunde genommen doch gut geht.” Vanessa ist überzeugt: Wir müssen unseren inneren Kompass finden – und die Natur ist der beste Mentor, den wir finden können. Mit anderen Worten: Nicht wir müssen den Planeten retten, sondern wir müssen dem Planeten die Chance geben uns zu retten! Jede*r kann Verantwortung für sich und für die Umwelt übernehmen: „Verantwortung bedeutet Freiheit, das ist meiner Meinung nach die allerbeste Ansicht”, so Vanessa. Niemand sollte sich davor scheuen, Verantwortung zu übernehmen, sondern viel mehr das Positive, nämlich den Freiheits-Charakter, darin sehen. Und auch hier gilt: Machen ist besser als nur wollen – „Es gibt so viele weibliche Vorbilder in der Nachhaltigkeit, nicht nur Greta, sondern auch noch viele viele mehr, an denen wir uns ein Beispiel nehmen können. Wir müssen uns dabei einfach auch gegenseitig helfen und unterstützen.”

Vanessa Hansch
Vanessa Hansch

Nach einem MBA der IE Business School und acht Jahren in Management Positionen in führenden Weltkonzernen, ist yoga2b Gründerin Vanessa Hansch während ihrer Yogalehrer-Ausbildung auf Bali klar geworden: wir brauchen mehr Yoga im Business! Seit 2016 stellt sie nun gemeinsam mit ihrem Team erfolgreich unter Beweis, dass Yoga hilft die Herausforderung der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. Nach dem Motto “immer lernend, nie wissend” ergänzt sie ihre praktischen Erfahrungen in Yoga und Business kontinuierlich mit Fortbildungen und zusätzlichen Zertifizierungen. Ihre Erkenntnisse gibt sie neben den yoga2b Kursen und Workshops auch als Hochschuldozentin für Business Ethics & CSR und Change Management an BWL Studenten weiter.

„The climate emergency is a race we are losing, but it is a race that we can win. The climate crisis is caused by us – and the solutions must come from us.”, sagte António Guterres in New York. Unsere Speakerinnen haben uns am 16.10. ordentlich Input geliefert Let’s win this race! 

nushu night an der Hamburg Media School
nushu night an der Hamburg Media School
nushu night an der Hamburg Media School
nushu night an der Hamburg Media School
Annelies Peiner nushu night
You inspire me team nushu
Shari Linthe und Thekla Wilkening nushu night
Vanessa Hansch nushu night
Thekla Wilkening nushu night