Das war die nushu night am 28.08. in München

Dr. Sommer für's Business

Am 28.08. wollten wir im Ruby Leo in München wissen, was dich in deinem Job bewegt. Und es kamen im Vorfeld jede Menge interessante Fragen, die unsere drei Expertinnen Astrid, Susanne und Vanessa aus ihrer jeweiligen Expertise heraus beantworteten. Wir haben für dich alle Fragen und Antworten fleißig mitgeschrieben:

Wie fördert man Mitarbeiter*innen richtig und erkennt ihre Talente?

Astrid: Es liegt in den kleinen Sachen. Also gut auf Details achten, gut beobachten und dann die Stärken stärken.

Vanessa: Regelmäßige Jour fixes vereinbaren und wirklich besprechen, wo die Motivationen der Mitarbeiter*innen liegen und wo sie hinwollen. Und dabei auch ganz offen Feedback geben, ob sie auf dem richtigen Weg ist. 

Ich bin sehr schlecht darin, kritisches Feedback zu geben, wenn es um Verhaltensweisen der anderen Person geht. Wie kann ich hier besser werden?

Susanne: Erst fragen: Ist kritisches Feedback notwendig? Immer erst die Situation erfassen, in der die andere Person sich befindet. Dabei die eigene Meinung, Einschätzung und Emotionen trennen und auf die Sachebene gehen. 

Vanessa: Demjenigen oder derjenigen helfen und anhand von konkreten Beispielen wirklich konkretes Feedback geben.

Ich führe seit kurzem ein Team und bin vom Peer zur Vorgesetzen geworden. Welche Tipps gibt es, sich mit dieser neuen Rolle wohl zu fühlen und mit Selbstbewusstsein zu vertreten?

Vanessa: Nimm dir die Zeit, das Team kennenzulernen. Mit jedem Member. Frag das Team, was es von dir erwartet. Und wenn du weisst, das jemand anderes auch die Rolle wollte: aktiv im Zweiergespräch abstimmen. 

Astrid: Auch über den eigenen Druck und die eigenen Herausforderungen sprechen.

Susanne: Nicht nur auf Einzelbeziehungen gucken, sondern regelmäßig auch auf das ganze Team und wie alle miteinander wirken. 

Member aus dem Publikum: Wir haben für jedes Teammitglied ein User-Manual. Wie funktioniert jede Einzelne, was triggert wen?

Wie und wo findet man eine*n passende*n Mentor*in?

Astrid: Bei uns im Unternehmen gibt es für jede Mitarbeiterin zwei Mentor*innen. Das sind immer auch die Vorgesetzten –daher habe ich für mich zusätzlich noch andere im Unternehmen gesucht und ihnen mein Interesse gezeigt, also durch Eigeninitiative. 

Vanessa: Such dir jemanden, die oder den du toll findest, von dem oder der du lernen kannst und sprich diese Person an! Egal ob intern oder extern – sprich die Leute an! 

Der digitale Transformierungsprozess wird gerne als Talking-Point der Chefetage genutzt; ich frage mich dabei, ob dieser auch für mehr Chancengleichheit sorgen wird?

Susanne: Digitale Transformation in Chefetagen ist wie Pudding an die Wand nageln. Die Kultur muss mit der digitalen Transformation mit verändert werden – nur wenn es ernst genommen wird, dann kann das auch zu Chancengerechtigkeit führen. Es muss gelebt werden, Menschen müssen mitgenommen wird. Ein Workshop für Agilität reicht nicht. 

Astrid: Manchmal führt digitale Transformation die Chance, das auch die Jüngeren gehört werden. Aber das funktioniert nur dann, wenn das Gesagte auch ernst genommen und angenommen wird. Oft sind Führungskräfte unnahbar. Nur wenn man sich öffnet, kann einen etwas verbinden.

Vanessa: Reversed Mentoring ist auch eine Idee – Führungskräfte werden von Youngsters im Unternehmen gecoacht. 

Ich habe in einem Trio gegründet: zwei Frauen ein Mann. Der männliche Gründungspartner ist älter und hat mehr Berufserfahrung. Oft wird er als Chef und wir als Mitarbeiterinnen wahrgenommen. Habt ihr Tipps, wie wir das ändern können?

Susanne: Wenn Konsens darüber besteht, dass dies geändert wird, können neue gemeinsame Spielregeln festgelegt und ausprobiert werden, wie was ankommt. 

Vanessa: Es herrscht hier ja nur eine Wahrnehmungsverzerrung und es gehören alle drei dazu, diese Wahrnehmung zu verändern! 

Was haltet ihr vom Nacheinanderprinzip Familie vs. Job? Ist das für euch ein gangbarer Weg? Ich schrecke davor zurück, abgehängt zu werden bei längerer Auszeit vom Job.

Astrid: Ich habe mich bewusst gegen das Nacheinanderprinzip entschieden und arbeite jetzt mit zweijähriger Tochter in Vollzeit. Das Organisationsthema bleibt immer, egal wann das Kind kommt. 

Vanessa: Du musst dich aktiv für die Karriere und mit dem Partner und den Kindern für die Vollzeit entscheiden. Man sieht sonst den Knick im Lebenslauf. Wenn jemand sich entscheidet zwei, drei Jahre auszuscheiden, ist klar, dass niemand daran nahtlos anschließen kann. Arbeitgeber*innen müssen hier dringend mehr unterstützen.

Wie kann ich es schaffen, mit beruflichen Rückschlägen besser umzugehen und nicht in Selbstzweifel zu verfallen?

Susanne: Ich rate dazu, bewusst aus der Lebenserfahrung zu lernen und mit aktivem Selbstmanagement zu bearbeiten. Viel lernen – auch den Umgang mit berechtigten Vorwürfen. Das alles braucht aber Zeit. 

Astrid: Auch Menschen mit viel Lebenserfahrung kochen nur mit Wasser und schöpfen aus genau dieser Erfahrung.

Member aus dem Publikum: Wer noch nie gescheitert ist, hat auch noch nie etwas gewagt. Auf sicherem Terrain passiert keine Lernkurve.

Publikum: Rückschläge sollte man nicht überbewerten und nicht alles mit nach Hause nehmen. Man sollte es als Geschenk nehmen und dann beim nächsten Mal anders machen.

Muss mein Job erfüllend sein?

Susanne: Ich kann mir nichts anderes vorstellen! 

Astrid: Das heißt aber nicht, dass es jeden Tag so ist. Aber es ist wichtig, grundsätzlich positiv eingestellt zu sein.

Member aus dem Publikum: Dazu kann ich das Buch „Big Five for Life" von John Strelecky empfehlen. 

Panel nushu night 28.08. München
nushu night 28.08. München
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Melanie Schütze Panel nushu night
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Astrid Roesener
Astrid Roesener, Rechtsanwältin

Astrid ist unsere Rechtsexpertin und wird dir bei der nushu night alle juristischen Fragen beantworten. Astrid studierte Jura in München und New York bevor sie bei CMS Hasche Sigle im Bereich Schiedsgerichtsbarkeit anfing. Seit 2013 arbeitet sie in der rechtlichen Beratung im Gesellschaftsrecht, vor allem bei nationalen und internationalen M&A-Transaktionen.

Vanessa Grube
Vanessa Grube, Manager Talent & Organization Development

Vanessa ist unsere HR-Expertin und verfügt über mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung im Personalwesen in verschiedenen Branchen auf lokaler und globaler Ebene. Sie hat mit Teams in verschiedenen Regionen zusammengearbeitet, darunter im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und in der Region EMEA. Vanessa ist diplomierte Betriebswirtin und hat weitere Zertifizierungen im Bereich der Personalentwicklung, wie z.B. die Zertifizierung als Coach der ECA. Sie war elf Jahre in der Personalentwicklung EMEA im Bankensektor tätig, bevor sie 2012 die Position als Managerin Organization Development & Talent Acquisition EMEA & APAC in einem führenden amerikanischen Life-Science-Unternehmen übernommen hat. Bevor sie zu Philip Morris kam, leitete Vanessa die Abteilung Global HR Transformations für ein globales Chemie- und Pharmaunternehmen. 

Susanne Kamm
Susanne Kamm

Susanne Kamm ist unsere Leadership-Expertin! Sie ist Betriebswirtin, Redakteurin und systemische Organisationsberaterin und greift auf langjährige Erfahrungen aus vielfältigen Beratungsmandaten zurück. Bevor sie sich mit Kamm und Kocks im Jahr 2009 auf Organisationskommunikation fokussiert hat, war sie zwei Jahrzehnte im Agentur-Management tätig – zuletzt über zehn Jahre als geschäftsführende Gesellschafterin des Agentur-Standortes der fischerAppelt Gruppe in München.