schockverliebt Gründerinnen Sonja Heilmann und Melanie Nierzalewski im nushu talk

Sonja Heilmann und Melanie Nierzalewski haben sich im Februar 2019 ihren Traum erfüllt: Die beiden gebürtigen Hamburgerinnen gründeten in der Bogenstraße in Hamburg ihr Design Studio schockverliebt, mit dem sie Unternehmer*innen in ihrer grafischen Darstellung visuell unterstützen. Kennengelernt haben sich die Beiden während ihres Studiums im Kommunikationsdesign. Dreizehn Jahre später wagten sie gemeinsam den Schritt in die Selbständigkeit. Wir haben mit ihnen gesprochen, wie es ihnen seither ergangen ist.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden ein eigenes Design Studio zu gründen?

_Nach jahrelangen Erfahrungen in der Werbung – einem noch immer sehr Männer dominierten Berufsfeld – haben wir uns gefragt, wie wir privat und beruflich unseren Beitrag zum Thema Gleichberechtigung leisten können. Da kam uns die Idee: Mit Grafikdesign andere Frauen in der Wirtschaft dabei zu unterstützen, ihr Unternehmen oder ihre innovativen Ideen nach Außen hin bestmöglich zu präsentieren. Dabei ist Female Empowerment unsere treibende Kraft. Wir gehen in unserem Design Studio die Dinge ein wenig anders an, als wir sie kennen gelernt haben. Wir setzen auf den persönlichen Kontakt zu unseren Kundinnen, auf gegenseitiges Vertrauen und bringen eine große Portion Empathie mit an den Tisch. Das Feedback unserer Kundinnen bestätigt unsere Idee.  

 

Bei vielen macht sich ein Gefühl von Verunsicherung und auch Überforderung breit, wenn sie an einen Start von null und ohne Sicherheiten denken. Ging es euch genauso?

_Ja, uns ging es ebenso. Die Unsicherheit war auf jeden Fall da. Aber die Überzeugung und Begeisterung für unser Vorhaben war größer und dementsprechend haben wir uns ein wenig gegenseitig gezwungen diese Ängste abzulegen. Außerdem hat uns die intensive Vorbereitung auf diesen Schritt sehr geholfen und wir haben uns von allen Seiten Hilfe geholt. Wie zum Beispiel bei der Kreativgesellschaft, wo wir in einem Coachingprogramm sind oder Gründerkurse, die wir bei der Handelskammer belegt haben. Außerdem haben wir den Gründerzuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragt und auch bekommen. Mit die größte Stütze waren und sind immer noch Familie und Freunde – unser soziales Umfeld hat von Beginn an immer hinter uns gestanden und uns unterstützt.

 

Und was waren dann die größten Herausforderungen in der ersten Zeit?

_Ganz klar: Geld und Kundenakquise! 

 

Ihr habt vor gut einem Dreivierteljahr gegründet. Was würdet ihr sagen sind eure größten Learnings seither?

_Auf jeden Fall immer weitermachen, auch wenn es mal Rückschläge gibt. Lernen was man selbst und dementsprechend die Arbeit wert ist und das auch vertreten. Und netzwerken! Immer wo es geht netzwerken, netzwerken, netzwerken. 

 

Ihr habt es schon angesprochen: Netzwerken ist wichtig für euch?

_Extrem wichtig. Man lernt neue Leute kennen und kann sich austauschen. Vor unseren Netzwerktreffen kannten wir kaum Selbstständige – das hat sich sehr geändert und wir haben viele tolle Frauen – und auch ein paar Männer – kennengelernt, die einem auch neuen Input geben. Erfahrungsberichte von anderen sind gerade in der Gründungsphase super wichtig und helfen.

 

Und wie wichtig sind euch Mentor*innen?

_Sehr wichtig. Unsere Mentorin ist unsere Coachin Gesa. Wir lernen so viel bei ihr und können sie einfach alles fragen. Außerdem hilft sie uns jedes mal wenn wir uns gedanklich verzetteln, das große Ganze mit einem gewissen Abstand zu betrachten. Sie hilft uns unternehmerisch zu denken und die Dinge nicht immer zu persönlich zu nehmen.

Welches Mindset und welche Fähigkeiten braucht man eurer Meinung nach, um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen?  

_Ein starker Wille und die ganz klare Überzeugung, dass das was du vor hast, Erfolg haben kann. Bei uns beiden ist es auch ganz klar, dass wir zu zweit sind. Außerdem ist Plan B, also zurück in die Festanstellung, keine Option mehr für uns. Dadurch konzentrieren wir uns und unsere Kraft zu 110 Prozent auf schockverliebt.

 

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus, hilft euch eine Routine?

_Das schöne an unserem Alltag ist, dass wir keine Routine mehr haben. Wir treffen uns in der Regel gegen halb zehn im Büro, trinken Kaffee und besprechen die ToDos des Tages. Es gibt aber auch Tage an denen wir später anfangen, weil wir die Nacht davor länger im Büro waren und dann gibt es erst einmal ein kleines Frühstück und eine Folge Friends über unseren Beamer dazu. Projekte teilen wir uns untereinander auf und wissen aber trotzdem immer woran die andere gerade arbeitet. An wirklich großen Projekten arbeiten wir gemeinsam. Wir versuchen jeden Donnerstag Buchhaltung zu machen und jeden Freitag die nächste Woche bestmöglich zu planen. Außerdem gönnen wir uns einmal die Woche Kreativstunden, in denen wir uns ausschließlich um die Weiterentwicklung von schockverliebt kümmern. Denn wir haben noch ein paar weitere Ideen, die wir realisieren möchten. Aber wir sind auch Expertinnen darin, uns auch mal etwas zu gönnen – auch das haben wir in den letzten 10 Jahren in der Werbung gelernt. Daher ist es uns wichtig, dass wir uns neben der gemeinsamen Arbeit auch genug Zeit nehmen und Raum schaffen, etwas als Freundinnen zu unternehmen.

 

Und wie sehen eure Arbeitszeiten aus? Seid ihr Fans von Digital Detox oder immer erreichbar? 

_Relativ normal. Wir nehmen uns die Freiheit heraus unseren Arbeitsalltag, je nach Projektlage, anders zu gestalten. Wir sind von 9.00–18.00 Uhr für unsere Kunden erreichbar. Das versuchen wir von Anfang an auch den Kunden beizubringen, dass man nicht 24 Stunden erreichbar ist. Das ist ein Learning, welches wir aus unserer Agenturzeit mitgenommen haben. Dort wurde den Kunden überwiegend vermittelt, dass die Tageszeit keine Rolle spielt und man permanent erreichbar ist. Das Tolle daran ist, dass wir merken, dass unsere Kunden das als selbstverständlich sehen und auch gar nicht erwarten, dass wir immer erreichbar sind. Daher brauchen wir Digital Detox in der Form nicht. Dadurch, dass wir zu zweit sind ist auch super, dass man wirklich Urlaub machen kann und da auch nicht erreichbar sein muss, da die andere dann ja erreichbar ist.

 

Woran glaubt ihr liegt es, dass verhältnismäßig wenige Frauen gründen? Was müsste sich eurer Meinung nach ändern?

_Das ist ein Thema, das uns sehr stark beschäftigt. Kurz gesagt, wir glauben, dass ein großer Punkt bei Frauen die Unsicherheit ist, ob das Unternehmen Erfolg haben wird und die Sorge, dass man nicht Familie und Selbstständigkeit unter einen Hut bekommen kann. Um dies zu ändern, müsste weiblichen zukünftigen Unternehmerinnen mehr Unterstützung entgegen kommen – sei es von der Politik, aber auch von ihren Partnern. Außerdem müssten weibliche Erfolgsstories viel öffentlicher gemacht werden, damit andere Frauen sehen, dass es wirklich klappen kann und dass es nicht schlimm ist, wenn es nicht klappen sollte. Wir haben das Gefühl, dass bei Männern diese Angst zu scheitern nicht so ausgeprägt ist und sie in der Regel viel überzeugter von sich und dem, was sie machen, sind. Generell müsste sich das Mindset der Gesellschaft diesbezüglich einfach ändern. 

 

Was würdet ihr als erstes ändern, wenn ihr die Möglichkeiten dazu hättet?

_Eine gleichberechtigte Gesellschaft! Sei es für die Frauen – wir sind beide bekennende Feministinnen – oder für die gesamte queer Community. Auch hierzu könnten wir viele Beispiel bringen warum, wieso und weshalb wir von der Gleichberechtigung leider noch sehr weit entfernt sind. Dabei sind das gerade erwähnte Mindset und die Pay Gap nur zwei Beispiele von vielen Problem, die angegangen werden müssen. Wir würden uns wünschen, dass der Wandel der Gesellschaft etwas zügiger voran geht und das weniger gesprochen und mehr realisiert wird.

 

Lieben Dank euch beiden!

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